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PERSONALIEN John Lennon, Friedrich Karl Fromme, Liv Ullmann, Manfred Rommel, Herbert Faust, Josef Ertl, Prinz Andrew, Steven Burgess

aus DER SPIEGEL 44/1979

John Lennon, 39, in New York lebender Ex-Beatle, läßt Polizisten seiner Wahl-Stadt mit kugelsicheren Westen ausrüsten. Gemeinsam mit Ehefrau Yoko Ono schickte er der »Patrolmen?s Benevolent Association« einen 1000-Dollar-Scheck mit kurzem Begleittext: »Der beigefügte Scheck soll unsere echte Besorgnis um das Leben unserer Polizisten in New York City zum Ausdruck bringen.« Die Sorge um die eigene Sicherheit hat Multimillionär Lennon bereits zum Ausdruck gebracht: Er ließ an seiner Haustür in Manhattan 50 Schlösser anbringen.

Friedrich Karl Fromme, 49, »Tilman Riemenschreiber« der »FAZ« und verantwortlich für Innenpolitik, trug seiner Prestigezeitung ein förmliches Monitum des Deutschen Presserats für die Berichterstattung über den Pressekollegen Hans Georg Faust ein. Faust, der illegaler Beziehungen zu einem Verfassungsschutzbeamten bei der Aufdeckung von Überwachungsmaßnahmen gegen den Atom-Manager Klaus Traube verdächtigt worden war, hatte sich mit einer Gegendarstellung gegen »FAZ"Berichte über sich gewehrt. Fromme ließ Auszüge der Gegendarstellung ohne Zustimmung Fausts als Leserbrief drucken, was die Presserechtsprechung verbietet, und berücksichtigte bei späterer Wiederholung eigener Behauptungen die Tatsachendarstellung Fausts mit keinem Wort. Der Deutsche Presserat mißbilligte beides, die »Frankfurter Allgemeine« meldete die Mißbilligung nicht.

Liv Ullmann, 39, norwegische Bühnen- und Filmschauspielerin ("Das Schlangenei"), wird wieder einmal eine Hauptrolle in einem Film des schwedischen Regisseurs Ingmar Bergman spielen: Ihr einstmaliger Lebensgefährte verpflichtete den Weltstar für sein neues Projekt »Fanny und Alexander«. Die Dreharbeiten werden gleichzeitig zu einem Familientreffen, denn auch die zwölfjährige Ullmann-Bergman-Tochter Linn wurde von ihrem Vater auf die Film-Besetzungsliste gesetzt. Von ihr erwartet der Filmemacher viel -- Bergman schon 1973 zum »Playboy": »Sie wird etwas Besonderes werden. Bestimmt.«

Manfred Rommel, 50, Stuttgarts Oberbürgermeister, ist Sprechstar einer Langspielplatte, mit der ein neuartiges Hörerlebnis präsentiert wird: die »Stadtschallplatte« (Titel: »Bittersüß wie Stuttgart"). Initiator und Plattenmacher Michael Spohn, Redakteur der »Stuttgarter Nachrichten«, spazierte mit Rommel, der sich »geduldig wie ein Schäfchen« (Spohn) führen ließ, stundenlang durch die Landeshauptstadt, in Problemgebiete von Wohnungsbau und Verkehr ebenso wie in die Weinberge mit Blick auf Daimler-Benz. Begleitet von der Jazz-Rock-Gruppe »Orexis«, deren Bandleader Georg Lawall die Plattenmusik komponierte (Lied: »Schtuegert, i hau ab"), verklärt und verteidigt Rommel Bürgersinn und Bausünden. Der Erlös der Benefizplatte (Preis: 12,50 Mark) fließt einer gemeinnützigen »Aktion Weihnachten« zu. Rommel nimmt kein Honorar, er hatte nur eine Bedingung: »Singe tu i net.« Herbert Faust, 52, CDU-Landtagsabgeordneter in Düsseldorf und erneut Bürgermeister im westfälischen Ahlen, verdankt sein Amt der Angst der SPD vor den Kommunisten. Als Alterspräsident hatte DKP-Mitglied Theo Feige, 68, den Christdemokraten aufs Grundgesetz verpflichtet. Faust nahm die linke Amtseinführung »als Demokrat hin«. Die Sozialdemokraten reagierten sensibler: Berührungsscheu mit den Kommunisten im Stadtparlament hielt sie davon ab, einen eigenen aussichtsreichen Bürgermeister-Kandidaten zu nominieren -- obwohl SPD und DKP zusammen die Mehrheit haben. Die Sozialdemokraten verzichteten und stimmten lieber ungültig.

Josef Ertl, 54, Bonner Landwirtschaftsminister, war am Montag letzter Woche zehn Jahre im Amt -- länger als jeder seiner Vorgänger seit Gründung des Reichsernährungsministeriums im Jahre 1919. Bei einer Harzer Bergmannskapelle? die ihm zu diesem Anlaß ein Ständchen brachte, bedankte sich der Jubilar mit einem Tuba-Tuten (Photo).

Prinz Andrew, 19 (Photo, 1.), zweiter Sohn der britischen Königin, hatte Mühe, einen Versicherer für seinen neuen, in Deutschland gebauten Ford Escort RS 2000 (Höchstgeschwindigkeit: 180 Stundenkilometer) zu finden. Londoner Assekuranz-Unternehmen lehnten es schlichtweg ab, Fahrer und Fahrzeug zu normalen Bedingungen aufzunehmen. Erst gegen eine zusätzliche jährliche Gefahren-Prämie und strenge Sonderkonditionen wurde dem Prinzen die Haftpflicht-Police für seinen deutschen Wagen ausgestellt. Jetzt testet er das schnelle Auto auf den Landstraßen der Grafschaft Devon (Geschwindigkeitsbegrenzung: 80 Stundenkilometer) -- allerdings nicht allein. Beifahrer ist Andrews Leibwächter Steven Burgess (r.), der seinen Schützling -- so will es die Queen -- ständig zur Einhaltung der Straßenverkehrsordnung ermahnen soll.

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