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PERSONALIEN José Figueres Ferrer, Lothar Loewe, Horst-Jürgen Winkel, Marilyn Mao, Martha Mitchell, Rudolf Mühlfenzl, Henri Verneuil

aus DER SPIEGEL 52/1971

José ("Don Pepe") Figueres Ferrer, 65, Präsident der Bananenrepublik Costa Rica, gab das Zeichen zum Angriff: Mit einer MPi bewaffnet (Photo), ließ er vorletzten Sonntag einen Jet der Nicaragua-Fluggesellschaft Lanica von 200 Polizisten stürmen. Die Maschine mit 54 Personen an Bord war von drei Luftpiraten auf dem Flug Managua (Nicaragua) -- Miami (USA) zur Kursänderung Richtung Kuba gezwungen worden, zum Tanken aber in Costa Ricas Hauptstadt San Jose zwischengelandet. Um den Weiterflug zu verhindern, hatte der eiligst alarmierte Regierungschef die Entführer zunächst mit freiem Abzug zu ködern versucht; als sie nicht darauf eingingen, befahl Figueres Attacke: Der Jet brannte aus, ein Pirat wurde getötet, mehrere Passagiere verletzt -- unter ihnen auch Don Pepes Sicherheitsminister Fernando Valverde.

Lothar Loewe, 42, NDR -Sonderkorrespondent, ist in Ost-Berlin bekannt -- »wie alle Leute, die dort fürs Fernsehen herumgegaukelt haben«. Als der Journalist, der »von der Volkspolizei im Prinzip vorrangig abgefertigt« und drüben »oft angesprochen« würde, das erste Mal zu den Kohl/Bahr-Gesprächen durch die Mauer wechseln wollte, stieß er allerdings auf Unkenntnis. Loewe verweigerte die Zahlung der Visum-Gebühr (fünf Mark) und bestand darauf, West-Zeitungen ("Das sind meine Arbeitsunterlagen") mitzuführen. Den Hinweis auf Vorschriften quittierte der Fernseh-Mann: »Wir sind von der Tagesschau. Ich bin Lothar Loewe. Kennen Sie mich nicht?« Die Bekannt-Machung war vergeblich: Nach zehn Minuten Wartezeit zahlte Loewe und ließ die Zeitungen zurück. Einer der Umstehenden, der den Reporter mit dem einstigen »Bericht aus Bonn«- Moderator verwechselte: »Auf Wiedersehen, Herr Müggenburg.«

Horst-Jürgen Winkel, 41, Pressereferent im Kanzleramt, testete seine Berufs-Chancen bei der Konkurrenz. Nach Lektüre einer Werbe-Annonce des Christdemokraten-Landes Schleswig-Holstein (Slogan: »Wer hier lebt, hat mehr vom Leben"), die »Feierabend spätestens um 5« und »124 Tage Urlaub im Jahr« verhieß, erkundete der Jurist -- wie angegeben -- beim Kieler Minister für Wirtschaft und Verkehr, Referat 36, per Postkarte seine »Möglichkeiten ... in Schleswig-Holstein«. Vergangenen Freitag, nach vier Wochen, hatte Winkel noch keine Antwort. Der Kieler Hilfsreferent Wolfgang Pirling: »Diese Woche geht ihm ein Kurzbewerbungsbogen zu«, denn: »Bei uns wird bald der Posten des Oppositionsführers frei.«

Marilyn Mao, Fiktion, vereinigt in sich -- so Spaniens Mal-Exzentriker Salvador Dali -- »die beiden großen matriarchalischen Länder unserer Welt, deren Zivilisationen auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden sind«. Nach der Weltschmerz-Autorin Francoise Sagan und der Film-Femme-fatale Jeanne Moreau übernahm Dali die Chefredaktion der diesjährigen Weihnachts-Ausgabe des Pariser Mode-Blatts »Vogue«. Nach einmonatigem Einsatz von Journalisten, Photographen und Mannequins, die des öfteren zum Richtlinien-Rapport sein im Nobel-Hotel Meurice einquartiertes Redaktions-Büro aufsuchen mußten, präsentierte das »Göttliche Genie« (Dali über Dali) sein Werk -- auf dem Titel die Monroe-Mao-Montage (Photo), im Blatt vornehmlich er selbst und Ehefrau Gala. Der Meister befriedigt: »Der Kult meiner Persönlichkeit und der Galas wurde wieder einmal glorifiziert.«

Martha Mitchell, 52, Ehefrau des US-Justizministers John Mitchell und Stimme der schweigenden Mehrheit Amerikas, maskierte sich für Millionen. Vorletzten Sonnabend agierte die »führende Frau im amerikanischen Leben mit der schlechtesten Frisur« (Coiffeur-Prädikat) im alljährlichen Wohltätigkeits-Programm der Washingtoner TV-Gesellschaft WDCA als Weihnachtsmann. Mit Erfolg: Binnen kurzem sammelte sie für die städtische Kinderklinik 6000 Dollar (19 500 Mark). Weitere 28 000 Dollar wurden von Zuschauern zugesagt. Martha Mitchell über sich selbst: »Ich versuche immer, ein bißchen Spaß zu machen, wohin ich auch gehe.«

Rudolf Mühlfenzl, 52, »sogenannter Konservativer« (Mühlfenzl über Mühlfenzl), leistet Widerstand im Frack. Der TV-Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks hatte beim Münchner Prominenten-Schneider Max Dietl ein 1800-Mark-Gewand für eine Feier der Landesregierung geordert. Als Ehefrau Isabel einwandte: »So etwas trägt man doch gar nicht mehr«, beschied der Strauß-Freund: »Den zieh' ich jetzt erst recht bei jeder Gelegenheit an, wo es ein bissl paßt -- gerade jetzt, wo die da droben in Bonn ihn abschaffen wollen.«

Henri Verneuil, 51, Filmregisseur ("Der Clan der Sizilianer"), weiß um die Vorzüge von Diktaturen. Damit er für sein neues Opus »Der Coup« eine Auto-Verfolgungsjagd mitten im Großstadt-Verkehr ablichten konnte, gab ihm die Athener Junta das Oberkommando über 300 Polizisten -- und alle Ampeln der Hellenen-Metropole. Franzose Verneuil: »In Paris wäre ich im Gefängnis gelandet. Deswegen habe ich ja in Griechenland gedreht. Gute Filme kann man nur in totalitären Ländern drehen.«

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