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Briefe

JÜRGEN FEHLING
aus DER SPIEGEL 1/1954

JÜRGEN FEHLING

(Nr. 51/1953, Personalien)

Mit der Veröffentlichung der Frankfurter Exzentritäten Jürgen Fehlings haben Sie sich zweifellos um das deutsche Theater verdient gemacht. Das bisherige sicherlich gutgemeinte Verschweigen seiner geistigen Verfassung hat

ihn wahrscheinlich erst recht in der irrigen Auffassung bestärkt, daß einem Jürgen Fehling alles erlaubt sei. Und noch etwas weiter auf diesem Wege, dann hat Fehling endgültig die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn überschritten und das deutsche Theater um seinen genialsten lebenden Regisseur gebracht.

Das Echo auf Ihren Artikel könnte vielleicht eine heilsame Wirkung auf den Künstler ausüben, wenn er jetzt endlich begreift, daß Genialität kein Freibrief für obszönes und größenwahnsinniges Benehmen ist. Jürgen Fehling sollte sich auch seiner Verantwortung gegenüber dem künstlerischen Nachwuchs bewußt werden, dem er bisher kein Vorbild, sondern eher ein gefährliches Beispiel bietet.

Frankfurt (Main)

Ruth Schrader

... bringen Sie unter dem Titel »Fehling, Barbar im Keller« eine Schilderung von Skandalaffären, die der leidende Jürgen Fehling bei seinem kürzlichen Aufenthalt in Frankfurt am Main heraufbeschworen hat ... erwähnen Sie selbst, daß es sich um einen »kranken Mann« handelt. Daß Fehling wirklich krank ist, dürfte ein offenes Geheimnis sein, und soweit davon überhaupt gesprochen oder gar geschrieben wird, sollte es doch bestimmt nur mit aufrichtigem Mitgefühl und dem Wunsch, er möge bald gesunden, geschehen.

Was aber tun Sie in Ihrem ... Artikel? ... Sie zerren das, was ein kranker Mensch getan hat, der also weder verantwortlich gemacht werden noch sich rechtfertigen kann, in aller Ausführlichkeit ans Licht und vor die breite Öffentlichkeit! Wem ist damit genützt? ... Dem Leser oder dem Publikum, den Bewunderern des großartigen Theater-Magiers? Nein, ganz gewiß nicht ...

Wiessee

Eva Rieppel

...kann nicht bestritten werden, daß es im Interesse der Öffentlichkeit geboten war, auf das nun nachgerade gemeingefährlich werdende Treiben des Bürgers Fehling nachdrücklichst hinzuweisen. Inzwischen hat ja auch die »Frankfurter Neue Presse« den SPIEGEL-Angriff aufgenommen und ebenfalls das seltsame Gebaren dieses Mannes ausdrücklich verurteilt. Darüber kann die Presse nicht schweigen, sie muß jetzt ihre warnende Stimme erheben, um weiteren, womöglich noch größeren Schaden zu verhüten. Das hat mit der Anerkennung der unbestreitbaren Leistung des Regisseurs Fehling gar nichts zu tun...

Darmstadt

Dr. Kasimir Rauchwein

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