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Briefe

JUGENDHEIM
aus DER SPIEGEL 19/1965

JUGENDHEIM

Wir Deutschen müssen dem ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Ben -Gurion sehr dankbar dafür sein, daß er seinen politischen Einfluß und sein Prestige so stark für die deutsch-israelische Versöhnung einsetzt. Wie Sie berichten, ist es wiederum Ben-Gurion zuzuschreiben, daß Jugendgruppen aus der Bundesrepublik jetzt - zur Förderung der Kontakte zwischen beiden Völkern - in Israel ein »Haus der Begegnung« errichten können.

Hamburg

KARL-HEINZ MAHLER

Zu der Panorama-Meldung »Kulturhaus« möchte ich Ihnen mitteilen, daß es sich um ein erstes einfaches Klubhaus handelt, dem hoffentlich noch viele folgen werden. Es hatte sich herausgestellt, daß die Unterbringung von Jugendgruppen in den Kibbuzim auf Schwierigkeiten stieß. Neben den erforderlichen Schlafräumen fehlte vor allem ein geeigneter Raum für Diskussionen und Freizeitgestaltung.

Eine planmäßige Durchführung und Koordinierung der Reisen von Jugendgruppen ist eine vordringliche Aufgabe. Wenn die diplomatischen Beziehungen aufgenommen werden, müssen sie getragen sein von einer zunehmenden Verständigung der beiden Völker, und dazu sind in erster Linie die Jugendlichen berufen, die nicht vorbelastet sind durch Schuld und Leid.

Ben-Gurion, mit dem ich einen ausführlichen Briefwechsel darüber geführt habe, will die Arbeit unterstützen und hat sich bereit erklärt, das Protektorat für das erste Klubhaus, das in seinem Kibbuz Sde Boker errichtet wird, zu übernehmen.

Die Regierung Nordrhein-Westfalens hat für den Bau dieser Unterbringungsmöglichkeit erhebliche Mittel zur Verfügung gestellt, und wir hoffen, daß die Kirchen von NRW sich an der Aufbringung des Restes beteiligen werden. Wenn dieses erste bescheidene Klubhaus erstellt ist, sollen weitere in anderen Kibbuzim folgen - in dem Maße wie Geldmittel zur Verfügung stehen.

Berlin

D. DR. HEINRICH GRÜBER

Hoffentlich wird zum Leiter der ersten deutschen Delegation im israelischen »Haus der Begegnung« nicht ein Bundesrepublikaner ernannt, der Angst vor der Entdeckung seiner nationalsozialistischen Vergangenheit haben sollte. Unsere Regierung hat gerade in den vergangenen Monaten wenig lobenswerte Beispiele für derartige Fehltritte geliefert.

Mainz

DIETER BERNAU

Grüber*

* Propst zu Berlin, der 1961 als erster deutscher Zeuge im Eichmann-prozeß auftrat, nach seiner Rückkehr aus Jerusalem die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Israel forderte und eine Gesellschaft für deutsch-israelische Annäherung gründete.

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