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Justus Frantz,

aus DER SPIEGEL 35/1996

52, Pianist und Dirigent von wechselndem Ruf, erhielt eine Schmähung der besonderen Art. Der Musikus hatte mit seiner »Philharmonie der Nationen« in Dresden aufgespielt. Der Rezensent der Dresdner Neuesten Nachrichten (DNN) notierte: »Da piepste mal eine Flöte zu früh, schaukelten die tiefen Streicher asynchron daher, quietschte eine Geige aus dem Gefüge«, während der »Chef pianistisch die Elastizität eines ausgeleierten Keilriemens bot«. Beim zweiten Teil des Konzertes, für den Schuberts Große C-Dur Sinfonie im Programmheft angekündigt war, fiel dem gequälten Musikfreund auf: Aus der Sinfonie »wurde unter des Dirigenten Hand ein zäh dahintröpfelnder Wälzer von teuflischer Langeweile. An die Stelle von Beschaulichkeit ward stumpfe Banalität gesetzt, aus dynamisierender Rhythmik wurde bombastisches Pathos.« Vorige Woche rückte die DNN eine »Entschuldigung« in eigener Sache ins Blatt. Hatte doch der Kritiker »von der Interpretation eines Werkes berichtet, das dann gar nicht gegeben« worden war. »Unerklärlich« aber blieb der Redaktion, warum der Rezensent nicht hatte zugeben wollen, »daß er den zweiten Teil des Konzertes nicht mehr hören konnte«.

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