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Briefe

KABARETT-ZENSUR
aus DER SPIEGEL 21/1959

KABARETT-ZENSUR

Telemann, wie konntest Du?! Über Kabarett-Sendungen kann ich mich nun nicht mehr freuen, denn im Hintergrund sehe ich immer den »schwarzen Mann«, den »Zensor«!

Hamburg-Fuhlsbüttel GERT ASSMANN

Einer Bekannten aus Mitteldeutschland, die bei mir zu Besuch war und die »Kom(m)ödchen«-Sendung auf dem Bildschirm sah, entfuhr beim Strauß-Sketch der Ausruf: »Daß die das dürfen!« Für mich gab dieser Ausruf Gelegenheit, auf Artikel 5 des Grundgesetzes und die Vorteile westlicher Demokratien hinzuweisen. Nach heutiger SPIEGEL-Lektüre schrieb ich meiner Bekannten: »...muß ich Ihnen leider mitteilen, daß wir am 22. April das letzte Mal eine unzensierte Kabarettnummer auf dem Bildschirm sähen. Sie dürfen nicht mehr!«

Frankfurt-Fechenheim RICHARD MÜLLER

»So etwas sollte man gar nicht erst hochkommen lassen!« ließ Telemann eine Schülerin über den Bundesminister für Verteidigung, Strauß, abschließend in jenem Sketch sagen, der am 22. April 1959 über das Deutsche Fernsehen lief. Das ist sinngemäß die gleiche Devise, die die SPD in ihrer Kurzinformation Nr. 5 vor kurzem in Hunderttausenden von Exemplaren verbreitet hat.

So reicht man sich - zufällig - die Hände. Reiner Zufall ist natürlich auch, daß Moskau und Pankow seit Monaten in einer wahren Verleumdungskampagne gegen Minister Strauß zu Felde ziehen. Telemann ist also nichts anderes als ein Mitspieler in jenem größeren Spiel, das kein Kabarett ist, sondern ein Drama. Wenn die Telemanns für die »Unabhängigkeit« des Fernsehens im SPIEGEL votieren, so versteht der eingeweihte Leser, welche Art von Unabhängigkeit sie meinen.

Bonn DR. FRIEDRICH ZIMMERMANN

MdB

Warum so ängstlich, Herr Telemann? Früher war es der Hofnarr, der seinem Herrn ungestraft die ungeschminkte Wahrheit sagen durfte. Und des Narren Stimme war des Volkes Stimme. Heute hat das politische Kabarett seine Nachfolge angetreten. Was es uns bringt, sollte vor allem die Betroffenen, in diesem Falle den Herrn Bundesverteidigungsminister, nicht ärgerlich, sondern eher nachdenklich stimmen.

Offenburg (Baden) CAROLA REIFF

Man hat Ihnen einen Bären aufgebunden, und daraufhin haben Sie einen (blauen) Bock geschossen. Wir haben nämlich im Frankfurter Funkhaus über die gelungene Parodie unserer Hamburger Kollegen auf den »Blauen Bock« (1. April) ebenso gelacht wie alle unsere Zuschauer. Wir waren also keineswegs »kollektiv beleidigt«, sondern kollektiv belustigt. Daß die Hamburger dazu unserer Dekorationsskizzen nicht bedurften (und sie auch nie erhalten haben), sei nur am Rande vermerkt. Wenn wir allgemein darum gebeten haben, die Produzenten parodierter Sendungen vorher zu unterrichten, so geschah das aus kollegialem Interesse, nicht aber, um solche Sendungen zu unterbinden.

Frankfurt DR. LANGE H. O. GRÜNEFELDT

Hessischer Rundfunk

Als antikes SPIEGEL-Objekt - Sie brachten eine Reportage 1951 - möchte ich Ihnen hier andeuten, wie man ein Kabarett nicht nur zensiert, sondern blokkiert. Der noch heute tätige Abteilungsleiter des Hessischen Rundfunks lehnte einen Text mit der Begründung ab: »Es steht ein kritisches Wort über Luxusautos drin. Was denken Sie? Soll ich meine Stellung verlieren? Der Intendant fährt einen 300er!« Oder: »Das Niveau hat sich auf das des dümmsten Hörers zu begeben!« Mir liegt noch ein Manuskript aus dem Jahre 1952 vor, in dem die beanstandeten Stellen angekreuzt und mir die

Mängel mündlich motiviert wurden ... »Kabarett kommt im Funk doch nicht richtig.« Bitte, glauben Sie es mir: Die letzte Kabarettsendung (vor zweieinhalb Jahren) - es war ein Programm für Jugendliche im Alter von 12 bis 16 Jahren - wurde nachts nach 23 Uhr über UKW ausgestrahlt. Es gibt viel zu erzählen, wenn man nicht als Hofnarr legalisiert ist.

Frankfurt RUDOLF ROLFS

Die Schmiere

Das schlechteste Theater der Welt

CSU-MdB

Zimmermann

Rolfs

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