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Terrorismus Kalaschnikows aus Deutschland

aus DER SPIEGEL 4/1995

Die Aussage eines Zeugen hat die Bundesanwaltschaft auf die Spur von islamistischen Fundamentalisten gebracht, die für die militante Islamische Heilsfront (FIS) Waffen aus der Bundesrepublik nach Algerien schmuggeln wollten. Er habe von Angehörigen des FIS, der seit Anfang 1992 das arabische Land mit blutigem Terror überzieht, mehr als 20 sogenannte Deko-Waffen aus Tschechien erhalten, offenbarte sich der Mann gegenüber den Ermittlern. Sein Auftrag sei es gewesen, die an sich für Vorführzwecke bestimmten Kalaschnikows zu scharfen Waffen umzurüsten. Die Auftraggeber hätten die Waffen jedoch nicht abgeholt. Die Bundesanwaltschaft ermittelt aufgrund der Aussagen nun gegen fünf Algerier wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung. Die Gefährlichkeit algerischer Extremisten schätzen deutsche Sicherheitsbehörden allerdings sehr unterschiedlich ein. Experten von Nachrichtendiensten und Polizei hatten bei einer Besprechung Anfang Januar im Auswärtigen Amt noch übereinstimmend erklärt, Anschläge in Deutschland seien »eher unwahrscheinlich«. Danach hatte der Chef des Bundeskriminalamts (BKA), Hans-Ludwig Zachert, plötzlich »Hinweise, daß auch in Deutschland Anschläge zu befürchten« seien. In einem internen Rundschreiben an alle beteiligten Behörden machte das BKA schließlich wieder einen Rückzieher: »Hinweise, die auf unmittelbar bevorstehende terroristische Operationen fundamentalistischer Gruppierungen in der Bundesrepublik« hindeuteten, gebe es nicht.

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