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Briefe

KAMPF DEM VERDERB
aus DER SPIEGEL 47/1962

KAMPF DEM VERDERB

Ich nehme an, Ihre Schwierigkeiten resultieren aus dem Bundeswehr-Feature im SPIEGEL vom 10. Oktober. Sie haben darin nicht mehr gesagt, als ich wiederholt über viele Jahre in meinen - in mehreren Zeitungen erscheinenden - Kolumnen und in Zeugenaussagen vor dem Kongreß gesagt habe.

Washington

CHARLES WILLOUGHBY

Nehmen wir einmal an, es gäbe in der Bundeswehr Raketen mit Atomsprengköpfen. Ich berichte darüber. Damit mache ich mich unbedingt des Landesverrats schuldig, weil es sich zweifellos um ein hochwichtiges politisches wie militärisches Geheimnis handelt.

Annahme wie erstens. Ich bestreite in einem Bericht unzutreffend die Existenz von Raketen mit A-Köpfen. Ergebnis: Landesverrat, wie Dr. Bauer skizziert. Es gibt keine Raketen mit A-Köpfen in der Bundeswehr. Ich berichte das. Ergebnis: Landesverrat wegen Schwächung, Ich könnte z. B. politische Bluffs (die es in der hohen Politik immer gibt) als solche entlarvt haben.

Annahme wie drittens. Ich berichte unzutreffend, es gäbe Raketen mit A-Köpfen. Ergebnis: Landesverrat, ich könnte ja falsche und schädigende Schlußfolgerungen hervorrufen.

Arme SPIEGEL-Redakteure, Ihr habt nach dieser Rechtsauffassung wenig Aussicht, ungerupft davonzukommen.

Berlin

AUGUST SCHERL

Journalist

Was ist nun Landesverrat und was nicht?

Manderscheid (Eifel)

ALFONS FISCHER

Warum bedurfte es eines Gutachtens gerade des Verteidigungsministeriums und einer sechzehntägigen Vorbereitungszeit, ehe zum Großangriff gegen den SPIEGEL geblasen wurde, wo doch nach Meinung des Herrn Dr. Westram selbst jeder militärische Laie hätte erkennen müssen, daß in dem Artikel eine große Anzahl von militärischen Staatsgeheimnissen verraten worden sei?

Herne (Westfalen)

ROLF TOFFEL

Ein besonderes Lob muß denjenigen Organen, die für die Abwehr von Landesverrat und Spionage zuständig sind, ausgesprochen werden, denn sie ermittelten doch immerhin in dem kurzen Zeitraum von rund drei Wochen, daß hier angeblich der größte Geheimnisverrat seit Bestehen der Bundesrepublik im Gange war.

Starnberg (Bay.)

KLAUS WIDMAIER

Zur Kaiserzeit soll alles anders gewesen sein. Schmutzige Affären brauchten nicht breitgetreten zu werden, über die Beteiligten las man nur den Nachruf.

Oldenburg (Oldbg.)

T. BOHLMANN

Generalstaatsanwalt Dr. Fritz Bauer schreibt in seinem Artikel, das Delikt des Landesverrats beziehe sich auf den Verrat von »Staatsgeheimnissen«. Was aber als »Staatsgeheimnis« zu gelten habe, stehe nicht fest, sondern werde

von Fall zu Fall durch den Staat dekretiert. Verstößt somit nicht die Fassung der Paragraphen 99 ff. StGB gegen den Artikel 103 Absatz zwei des GG, wonach eine Tat nur bestraft werden kann, wenn die Strafbarkeit gesetzlich bestimmt war, bevor die Tat begangen wurde? Wenn nicht feststeht, was als »Staatsgeheimnis« im Sinne des Gesetzes zu gelten hat, ist die Strafbarkeit eben nicht gesetzlich bestimmt, sondern unbestimmt.

Aufschlußreich nennt in diesem Zusammenhang Professor Reinhart Maurach in seinem Lehrbuch des deutschen Strafrechts (AT, 2. Auflage, 1958, Paragraph 20 V 1.) die Tatsache, daß das Strafrecht der totalitären Staaten die Kurzfassung der Tatbestände bevorzuge. Dies bewirke eine geringere Garantiefunktion der Tatbestände und eine stärkere Lenkbarkeit der rechtsanwendenden Stellen. Er verweist dann auf das sowjetische StGB 1926 mit seinen Tatbeständen wie Sabotage, Diversion, Vaterlandsverrat, terroristischer Akt usw. Wenn Generalstaatsanwalt Dr. Fritz Bauer fortfährt, beim Verrat militärischer Dinge entscheide ein Sachverständiger des Verteidigungsministeriums über den Geheimnischarakter und damit praktisch auch über die Strafbarkeit, kann man dann nicht auch Im Falle der Paragraphen 99 ff. StGB an die Gefahr einer »Lenkbarkeit der rechtsanwendenden Stellen« denken?

Garmisch-Partenkirchen

FRITZ SCHÄFER

Rechtsreferendar

Wie kann es passieren, daß Herr Augstein, der Leiter der Organisation, die angeblich Staatsgeheimnisse veröffentlicht hat, verhaftet wird und daß Herr Strauß, der Leiter der Institution, die die Veröffentlichung durch Verrat möglich gemacht hat, frei herumläuft?

Hamburg

THEO WEISE

Die schlechte Benotung der Bundeswehr ist kein Landesverrat mehr, sie ist allgemein zugegeben. 17 Milliarden Mark bringt der Steuerzahler ohne zu murren für die Verteidigung auf, und es ist sein gutes Recht zu erwarten, daß dieser Beitrag sinnvoll und mit Erfolg eingesetzt wird.

Recklinghausen

UDO LAND

Herr Augstein und seine verhafteten Kollegen als Verräter des deutschen Vaterlandes! Dieser Gedanke ist doch so absurd und lächerlich, daß nur eine polizeiwidrig unheilige Einfalt das noch zu glauben vermag. Gehört doch gerade Ihr Nachrichtenmagazin zu den nicht gerade sehr zahlreichen bundesdeutschen Presseorganen, die In ganz besonderem Maße für Rechtlichkeit und Verfassungstreue eintreten. Die Verräter dieser Grundsätze, die wahren Landesverräter also, sitzen anderswo!

Pforzheim (Baden)

JOHANNES WALTER

Jetzt weiß ich endlich auch, warum Chruschtschow so gut über das westliche Verteidigungssystem informiert ist: Montags liest Nikita den SPIEGEL.

Gräfelfing (Bayern)

ERHARD P. KUSCHE

Hiermit erstatte ich gegen Herrn Franz -Josef Strauß Strafanzeige wegen Landesverrats. Er hat öffentlich, ja sogar im Fernsehen, mehrfach behauptet: Deutschland sei einem Angriff aus dem Osten erst gewachsen, wenn es diese oder jene Waffen besäße. Damit hat er dem Gegner den günstigsten Angriffszeitpunkt verraten und den Bestand unseres Volkes gefährdet. Falls der Gegner während der Straußschen »nicht fertig gerüsteten« Zeit nicht angriff, weil die Behauptungen nicht stimmten, wäre der Tatbestand der landesverräterischen Fälschung gegeben. Ich schicke diese Anzeige an die Adresse des SPIEGEL, weil die zuständigen Polizei-Organe dort gerade alles Belastungsmaterial gegen Strauß einsammeln und meine Anzeige gleich anheften können.

Ambach

MANFRED SCHMIDT

Wer verrät sein Land mehr: Derjenige, der katastrophale Mängel in der Verteidigungsorganisation anprangert, oder der, der für diese Mängel als Minister verantwortlich ist?

München

H. ABEN

Bitte, veröffentlichen Sie doch, wenn es Ihnen wieder möglich ist, den Wortlaut des von der Kripo beschlagnahmten Schulaufsatzes Rudolf Augsteins aus dem Jahre 1939, welchen Verlagsdirektor Becker auf der Hamburger SPIEGEL -Diskussion zitierte! Ich würde dieses Pennäler-Elaborat gern einmal auf seinen landesverräterischen Gehalt hin überprüfen!

Hamburg

GUNTHER BETH

Nehmen wir einmal an, in jenem berühmten SPIEGEL-Artikel befänden sich tatsächlich einige landesverräterische Äußerungen. Wie ist es dann möglich, daß sowohl die Leiter des militärischen Abwehrdienstes als auch die leitenden Staatsanwälte bei der Bundesanwaltschaft immer noch im Dienst und nicht bereits wegen Unfähigkeit im Amt in den Ruhestand versetzt worden sind?

Düsseldorf

DR. HERBERT EHRENBERG

Aus einem Rundfunkinterview Ihres inzwischen inhaftierten Verlagsdirektors Becker entnahm ich, daß der während einer Wehrübung vom Oberst zum Brigadegeneral beförderte Professor von der Heydte Sie bei der Bundesanwaltschaft des Landesverrats bezichtigt hat. Nun sehen aber die Richtlinien für die Beförderung von Angehörigen der Reserve der Bundeswehr vom 3. September 1960 nur eine Beförderung bis zum Oberst vor. Eine Beförderung eines Reserveoffiziers zum General kann m. E. nur vor dem Feinde erfolgen, analog der Beförderung zum Feldmarschall.

Allerdings hat sich der Bundesminister für Verteidigung unter Ziffer 5 der Richtlinien Ausnahmen vorbehalten. Wahrscheinlich hat er im Falle von der Heydte Ziffer 4 der Richtlinien berücksichtigt: »Zivile Kenntnisse und Fähigkeiten«. Spreche Anerkennung aus!

Neukirchen (Nordrh.-Westf.)

EMIL BRALL

Hauptmann der Reserve

Wenn Sie wirklich nichts anderes verbrochen haben als den Artikel über »Fallex 62« zu veröffentlichen, so werde ich, falls der Druck der öffentlichen (hier besonders der Welt-) Meinung nicht den gewünschten Erfolg hat, wohl doch noch auswandern müssen.

Weidenau

FRIEDRICH-WILHELM STOCK

Es ist nach dem Legalitätsprinzip die Pflicht der Bundesanwaltschaft, ein Verfahren wegen Beihilfe zum Landesverrat gegen die Abonnenten und Inserenten des SPIEGEL einzuleiten, die nach Dr. Adenauer das von dem Nachrichtenblatt begangene »Verbrechen« ermöglicht haben.

Frankfurt

DR. MANFRED WOLKISER

Rechtsanwalt

Es ist nur die Pflicht eines verantwortungsbewußten Organs, die jetzige Schwäche der Verteidigung dem Betroffenen vor Augen zu führen.

München

INA VON GOEBEN

Während in der übrigen demokratischen westlichen Welt für weit größere »Staatsgeheimnisse« wie »Fallex 62« solche Institutionen wie Presse, Rundfunk und Fernsehen zur Verfügung stehen, um die Bevölkerung zu informieren, werden bei uns Männer verhaftet.

Berlin

JÜRGEN STAUFE

Ich habe den Kampf des SPIEGEL gegen Korruption und Mißstände stets mit Interesse und Sympathie verfolgt. Das Schicksal, das den mutigsten Journalisten Deutschlands bereitet werden soll, erschüttert mich. Hoffentlich gelingt es Ihnen, die Beschuldigungen zu entkräften und Ihre Arbeit, die im Interesse einer freiheitlichen deutschen Demokratie einfach unentbehrlich ist, fortzusetzen.

Lochharn (Bayern)

DR. DR. FRITZ LEISSLE

Rechtsanwalt

Seien Sie versichert, daß ich bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Jugend in Ihrem Sinne aufklären werde, um mitzuhelfen, aus der Bundesrepublik wirklich einen Staat des Rechtes und der Freiheit zu machen. Nicht Sie verraten unser Vaterland; das tun andere.

Witten (Ruhr)

DR. KÖNIG

Studienrat

Anscheinend glaubt man es sich leisten zu können, der in- und ausländischen Öffentlichkeit vorzuexerzieren, daß die Trennung zwischen Exekutive und Jurisdiktion bei uns noch sehr im argen liegt.

Göttingen

DR. ADAM GENAU

Heinrich Heine hatte seine köstliche Formulierung: »... ein Freiheitsstall, bewohnt von Freiheitsflegeln« nicht auf das Amerika des vorigen Jahrhunderts, sondern auf Ihre Redaktion bezogen.

Schwäbisch Hall

HANS BENZ

Nie so gelacht wie über den wahrhaft virtuosen SPIEGEL-Eiertanz, den jetzt das Bundeskabinett auf das innerpolitische Parkett legt. Niemand will es nun gewesen sein, der das wertvolle Porzellan zertöppert hat. Bis die Öffentlichkeit endlich die Wahrheit erfährt, werden wohl die verhafteten SPIEGEL-Redakteure noch die ihnen auferlegte Staatspension in Anspruch nehmen müssen.

Göttingen

PAUL WIEST

Mögen noch so viele Deutsche auf die Achtung unseres greisen Kanzlers Wert legen, ich erlaube mir nach der Bundestagsdebatte, darauf zu pfeifen: Auf das 'gütige' Wohlwollen eines Mannes, dem (siehe seine empörenden Tiraden zur Verhaftung Conrad Ahlers') Recht und Unrecht offenbar identisch sind.

Köln

SIEGMAR SCHELLING

Mir sind die Vertreter der Zeitschrift SPIEGEL mit dem angeblich begangenen »Landesverrat« sehr viel sympathischer als etwa Minister mit ihren im Sande verlaufenen Affären.

Salzhemmendorf (Nieders.)

VIKTOR CHRIST

Man kann es dem alten Herrn kaum noch übelnehmen. Kann man nach 13 Jahren Alleinherrschaft noch ein guter Demokrat sein?

Göttingen

RITA HÖPFNER

Unter dem Eindruck der Kanzlerrede im Bundestag vom 7. November 1962 abonniere ich hiermit bis auf weiteres Ihre Zeitschrift DER SPIEGEL.

Köln

FERDINAND KIEFER

Zu der Äußerung von Bundeskanzler Adenauer, wonach Leute, die den SPIEGEL abonnieren, nicht hoch in seiner Achtung stehen: Da auch ich mich mit dieser Äußerung angesprochen fühle, erkläre ich hiermit, daß mir an der Nichtachtung von Adenauer nicht viel liegt. Umgekehrt: Wie ich Herrn Adenauer nach dieser seiner Äußerung nunmehr achte, will ich lieber nicht öffentlich kundtun, um ihm keine Gelegenheit zu geben, mir irgendwelche Justizstellen auf den Hals zu schicken.

Gauting (Bayern)

HEINRICH BEZEN

Mit der Bemerkung, es sei doch völlig gleich, ob Herr Ahlers in Malaga oder in Hamburg verhaftet werde, hat der Bundeskanzler vor aller Weltöffentlichkeit mal wieder demonstriert, welch großartiges Unterscheidungsvermögen in rechtsstaatlichen Dingen er sein eigen nennt

Hamburg

HANS-JÜRGEN STECHMANN

Übrigens fand ich meinen kleinen Sohn gestern in einem eigenartigen Zustand. Als ich zum Fenster hinaus in den Garten schaute, stand der Knirps auf dem Rasen und ließ sich stur alle nasenlang der Länge nach hinfallen. Auf Befragen, was das bedeute, bekam Ich die Antwort, er spiele FDP.

Beuel (Rhein)

WILHELM LEHBRINK

Im Anschluß an das Fernsehinterview mit Bundesjustizminister Dr. Stammberger und Dr. Mende möchte ich als FDP-Mitglied meinen Parteichef berichtigen: Nicht der SPIEGEL ist umstritten, sondern die FDP und noch mehr das Übergangsgebilde der Bundesrepublik.

Wolfenbüttel

WOLFGANG MÜLLER

Zur Vervollständigung des klangschönen Echos auf das SPIEGEL-Malheur hier ein Song aus dem letzten »Wochenschauer« von Eckart Hachfeld im Norddeutschen Rundfunk:

Herr Bundeskanzler, darf man fragen mit aller Ehrfurcht und Respekt: Wie haben Sie in den paar Tagen den SPIEGEL-Fall schon aufgedeckt?

Für Sie ist Augstein schon der Täter, der durch Verrat sich Geld gemacht; jedoch für die Gerichte steht er zunächst nur unter dem Verdacht?

Schwebt das Verfahren nicht zur Stunde und Sie als Kanzler greifen ein - ein Urteil, grad aus Ihrem Munde, kann das nicht doch von Einfluß sein?

Und warum haben Sie vergessen, wenn Sie schon Augsteins Richter sind, ihm gleich das Strafmaß zuzumessen, das er nach Kanzlerrecht verdient?

In Zukunft haben Sie die Güte und prüfen erst den Sachverhalt; durch 13 Ehrendoktorhüte ist man noch lang kein Staatsanwalt!

Hannover

RICHARD NEUBAUER

Einen wie wichtigen Platz der SPIEGEL im Leben der Bundesrepublik einnimmt, war nie so deutlich wie jetzt, wo das Pro und Contra zum Chor angeschwollen ist.

Ramsen (Rhld.-Pfalz)

WALTER OHLER

Halten Sie um Gottes willen durch!

Bad Oeynhausen

WOLFRAM LACKNER

evangel. Pastor

Mein Empfinden über Ihre Berichterstattung grenzt an Volksaufwiegelung und gebe ich der Hoffnung Ausdruck, daß ein großer Teil die Gelegenheit nutzt, den SPIEGEL mittels einer kräftigen Beinbewegung...

Dortmund

HERTA AMBROCK

Endlich hat jemand den Mut gefunden Euer Schandmaul zu stopfen!

Hamburg

HANS KRAFT

Eine solche Aktion muß in den Augen aller derjenigen, die bereit sind, aus der Vergangenheit Lehren zu ziehen, den Bestand der Bundesrepublik und die Verfassung mehr gefährden als jeder Ihrer Artikel sie je gefährden könnte. Sie verdienen jetzt auch die Unterstützung Ihrer bisherigen Gegner! Ich bin bereit, Ihnen tätig oder finanziell Hilfe zu leisten.

Karlsruhe

ALFRED BARTSCH

Nehmen Sie die gekürzte Veröffentlichung des SPIEGEL-Artikels über Fallex 62 in der Oxforder Studentenzeitung »Isis« als Hinweis dafür, daß man sich auch hier mit der sogenannten SPIEGEL-Affäre beschäftigt. Die Pressefreiheit scheint hier einen größeren Spielraum zu umfassen, als es bei uns möglich erscheint.

Oxford

HARTMUT POGGE

... am Ende sehen Sie sich als Sieger eines weitlaufenden Propagandafeldzuges, außer die demokratische Milch wird ganz sauer und ungenießbar. Dann allerdings tun wir besser daran, unseren Wissensdurst mit Comics zu stillen.

Caracas (Venezuela)

ALFRED F. G. WIEDE

Bisher habe ich Dich nur in meiner Lesemappe (zwei Wochen alt) gelesen. Ab sofort bestelle ich Dich. Die Feinde der Pressefreiheit soll der Teufel holen.

Husum

WALTER LURGENSTEIN

Ich teile nicht immer Ihre Ansichten, betrachte aber seit vielen Jahren Ihre Zeitschrift als einen »Watchdog of Democracy« in Deutschland, als den wöchentlichen Mahner an alle Deutschen, nicht gewohnheitsgemäß innerlich und äußerlich strammzustehen vor allem und jedem, was Titel, Würden und Uniformen von Staat und Kirche trägt!

Genf

DR. C. R. W. THOMAS

Ihr mutiges Eintreten für die Sauberkeit im öffentlichen Leben, Ihre Aufgabe als konstruktive Opposition wird auch in unserem Lande hoch geschätzt.

Zürich

WALTER KULL

Inzwischen melde ich nur gehorsamst, daß ich mein Zahnbürstchen ständig bei mir trage. Wenn sie euch alle eingelocht haben, wird man mangels primär Suspekter sicherlich auf die SPIEGELLeser zurückgreifen; vielleicht läßt sich irgendein Nebensatz von Paragraph 99 oder Paragraph 100 zu einem neuen Mittätertatbestand ausdehnen.

München

JÜRGEN VOM SCHEIDT

Du hast den Bogen überspannt. Das Wutgeheul der liberalen Halbstarken-Meute, die für den SPIEGEL doppeltes Recht verlangt, ist Glockenklang in meinen Ohren.

Bad Pyrmont

GERD REUBER

Leid tun mir jene Beamten, die hanseatisches freiheitliches Denken gewohnt und wohl wirkliche Demokraten sind, wenn sie jetzt, durch ihren Diensteid gezwungen, eine Aktion mitmachen müssen, die ihnen zutiefst zuwider ist.

Windschläg (Baden)

FRITZ W. SCHULZE

Es ist für mich eine Genugtuung, daß Ihnen einmal gehörig auf die Finger geklopft wird. Ich nehme an, daß das, was Ihnen vorgeworfen wird, juristisch untermauert wird. Sollte das der Fall sein, dann werde ich selbstverständlich auf ein weiteres Abonnement Ihrer Zeitschrift gerne verzichten.

Kiel

ERICH JAHN

Alle besonderen politischen Ereignisse des Tausendjährigen Reiches spielten sich an einem Freitag ab.

Hamburg

LOTHAR WÜLFKEN

Ich bin kein SPIEGEL-Abonnent und gedenke es auch in Zukunft nicht zu werden. Ihr oft recht rüder Ton hat mich wiederholt abgestoßen. Die »Hexenjagd« auf den Bundesverteidigungsminister erschien mir oft genug an den Haaren herbeigezogen. Das hat sich jetzt geändert.

Schauren (Nahe)

HANS-MARTIN STÜBER

Pfarrer

Sie erweitern Ihre Kulturredaktion. Das gefällt mir. Ich bin kein Journalist, aber vielleicht könnte ich doch mitarbeiten.

Scharam (Bayern)

ELISABETH FLICKENSCHILDT

Ein Wochenende ohne SPIEGEL ist für mich kein Wochenende! Und vorletzten Samstag (3. November) war keiner da. Schaaade! Und ich fahre 45 Kilometer umsonst! Bloß wegen des SPIEGEL.

Hopkins (USA)

ROBERT F. NEWMAN

Gehört Vernebelung zur Politik der deutschen Demokraten?

Farsta (Schweden)

ANNA MARIE SONNHALL

Wir wollen unseren alten SPIEGEL wiederhaben...

Köln

H. HANNS HORNUNG

Trost für Herrn Ahlers: Hier nichts verpaßt, regnet seit Tagen.

Torremolinos (Spanien)

ALFRED GERARD

Ich zweifle nicht an der Rechtsstaatlichkeit, die bei uns augenblicklich untergraben zu werden scheint. Möge sie recht bald, ebenso wie die Inhaftierten, wieder an die Öffentlichkeit kommen.

Krefeld

G. MICHEL

Das »Protest«-Schreiben einer Gruppe Kölner Dozenten an den nach FDP -Manier wankelmütigen Bundesjustizminister scheint das einzige aus dem Heer der Hochschullehrer gekommene Echo auf die Polizeiaktion zu sein. Wo sind die Stimmen der deutschen Akademikerschaft, der man doch wohl die Fähigkeit zubilligen darf, einen schleichenden Verfall unserer demokratischen Ordnung frühzeitig zu erkennen?

Köln

DR. MED. WINFRIED KAHLKE

Eine richtige kleine Kristallnacht.

Hannover

WILHELM BINZ

Big Brother is watching!

Hamburg

H. DUNKER

Verraten Sie mir die Mindeststrafe für Sprengstoffattentate.

Freiburg i. Br.

KLAUS DIETER HAMM

Die Aktion gegen Sie scheint mir ihre entschiedenen Vorteile zu haben: Die Akteure im Hintergrund haben sich Blößen gegeben, die eine wachsame Presse zu sehr wirkungsvollen Angriffen gegen den bürgerverachtenden Obrigkeitsstaat benutzen kann. Uns sind. Fäden sichtbar geworden, die trotz aller Verschleierungen zeigen werden; wer das Netz knüpfte.

Bremen

HORST-WERNER FRANKE

Studienassessor

Über die Erklärung des Herrn Bundesverteidigungsministers, er habe seinem Staatssekretär Hopf völlig freie Hand gelassen, kann ich nur lachen. Als ob Herr Hopf nicht um die Wünsche seines hohen Chefs gewußt hätte!

Karlsruhe

PROFESSOR OTTO WALGER

Es geht mir nicht darum, Sie und Ihre bisherige Arbeit zu glorifizieren. Gerade wir Pfarrer sollten bei der Austeilung von Heiligen-Scheinen Zurückhaltung üben. Worum es mir vielmehr geht, ist dies: Ihnen ein Dankeschön zu sagen für alle Redlichkeit, die aus Ihrer bisherigen Arbeit spricht.

Rüsselsheim (Hessen)

WILHELM REINMUTH

Pfarrer

Was mir am meisten in Ihrer Ausgabe Nummer 45 imponiert: Die vielen jungen Gesichter Ihrer Mitarbeiter. Das stimmt mich ein wenig hoffnungsfreudig in bezug auf unsere Jugend. Hier ist das Team, dem sie folgen sollte. Auch wir Älteren, durch zwei Weltkriege ergrauten Männer (klingt so schön), folgen Ihnen und unterstützen Sie, wo wir nur können.

Nortrup (Nieders.)

RUDOLF ZIMMERMANN

Major a.D.

Als einer der drei, die zusammen mit John Chaloner und Harry Bohrer 1946/47 beim SPIEGEL Pate gestanden und ihm über die Anfangsschwierigkeiten hinweggeholfen haben, freue ich mich über die Reaktion des überwiegenden Teiles der öffentlichen Meinung. Die Menschen fühlen, daß der staatliche Machtapparat sich revanchiert für die harten Angriffe, die er vom immer wachen, wenn auch manchmal überkritischen SPIEGEL einstecken mußte. Aus den Begleitumständen der ganzen spektakulären Aktion erkennen sie, daß man den SPIEGEL mundtot machen und wirtschaftlich ruinieren will. Mit Recht setzen sich auch diejenigen dagegen zur Wehr, die sonst keine Freunde des SPIEGEL sind.

Solange es Blätter wie den SPIEGEL gibt, der seine Leser über das informiert, was sich hinter den Kulissen ereignet, haben wir eine Kontrolle gegen den Übermut der Ämter und den Autoritätsanspruch ihrer Inhaber. Solange wird es keine Wiederholung der Geschehnisse geben, wie sie sich zwischen 1933 und 1945 und vorbereitend in den Jahren davor in Deutschland zutrugen. Ich bezweifle, ob dieser Angriff auf das Recht der freien Meinungsäußerung und der Pressefreiheit möglich gewesen wäre, solange Generalbundesanwalt Dr. Güde Chef der Bundesanwaltschaft war.

Frankfurt

HENRY ORMOND

Rechtsanwalt

Die Regierung sollte wissen, daß es die Bundesrepublik nicht mehr gäbe, gäbe es den SPIEGEL nicht. In der Tat hat eine Woche, in welcher der Fortbestand dieses Blattes in Frage gestellt war, deutlich gemacht, daß der Bundesrepublik nur noch unterzugehen bliebe, erreichten hassenswerte Elemente, daß der SPIEGEL unterginge. Es ist aber auch deutlich geworden, wie überaus dicht die Bundesrepublik vor der »Machtergreifung« zum vierten Reich steht. Die Apparatur scheint schon bereitzustehen und zu funktionieren.

Berlin

HANS SCHOLZ

Es gibt in unserem Lande doch so etwas wie ein intaktes demokratisches Gewissen. Die Lektüre der Ihnen zugegangenen Sympathiekundgebungen hat geradezu etwas Rührendes. Selbst Ihre erklärten Gegner, sofern sie Format haben, schlossen sich dem Proteststurm an. Es gibt in unserem Lande aber auch die Schadenfrohen und Hämischen, die an der großen Affäre ihr kleines Rachesüppchen mitkochen mußten.

Hamburg

JÜRGEN HOLTORF

Nicht nur verwechselte Verhaftung Fischer/Augstein, sondern auch verwechselte Politiker-Entlassung Strauß/Strauß.

Ulm (Donau)

BODO KORTE

Im Dritten Reich haben wir oft im Theater Schillers Worten starken Beifall gezollt: »Geben Sie Gedankenfreiheit.« Müssen wir das in Kürze wieder tun?

Braunschweig

PROF. DR. DR. FRITZ WENZEL

Gerade habe ich Ihr Heft 45 verschlungen und dabei festgestellt, daß Sie ohne weiteres in der Lage sind, sich an den eigenen Haaren aus dem Morast zu ziehen in den Sie geraten sind und der nicht Ihr Morast ist. »Es werden Hände über Gräben gereicht«; und obwohl ich mir geschworen hatte, dem SPIEGEL nie wieder einen Brief zu schreiben: Wenn Sie wollen, hier ist auch meine Hand.

Neuß (Rhld.)

KLAS EWERT EVERWYN

Meine Verbundenheit möchte ich Ihnen mit den Worten Julius III. bekunden: »Wenn Ihr wüßtet, mit wie wenig Aufwand von Verstand regiert wird, so würdet Ihr Euch wundern.«

Frankfurt

HENRY JAENCHEN

In Ihrer Augstein-Ausgabe vermißte ich, soweit Sie in eigener Angelegenheit berichteten, die gewohnte und erquickende ironische Hemdsärmligkeit. Etwa so: In der Augstein-Seilerei, wo seit etlichen Monden in fleißiger Heimarbeit ein dicker Strick zur politischen Hinrichtung Franz-Josef Straußens gedreht wird, riß und zerspliß der helfende Zubehör.

Mölln (Nieders.)

HANS-M. MICHEL

Mit Bedauern wird in der Polizei-Beamtenschaft die Tatsache verzeichnet, daß man in der Öffentlichkeit fast ausschließlich von einer sogenannten »Polizei-Aktion« gegen den SPIEGEL spricht und somit bewußt oder unbewußt Vergleiche zur »Polizeistaatlichkeit« vergangener Zeiten herstellt. Unsere heutige westdeutsche Polizei distanziert sich moralisch und in ihrer dienstlichen Praxis ganz entschieden von Polizeimethoden diktatorischer Art. Wir haben uns jedoch wohl oder übel daran gewöhnen müssen, den schwarzen Peter in die Schuhe geschoben zu bekommen, leider oftmals unter Mitwirkung der Presse.

Wuppertal

GERHARD WINKEL

Nicht zu glauben, Augstein sitzt und Onkel Aloys nebst Gefolge läuft frei herum.

Nürnberg

KURT HOFMANN

Wahrhaft erschütternd ist die von bemerkenswerter Sachlichkeit getragene, ausführliche und bebilderte Schilderung des Ablaufs der SPIEGEL-Aktion. Viele Einzelheiten mit ihren ganz ungewöhnlich harten Begleiterscheinungen verschlagen jedem Staatsbürger, der noch ein Gefühl für Menschenwürde, aufrechtes Mannestum und sachlich untadelige Durchführung von gesetzlichen Maßnahmen besitzt, die Sprache.

Berlin

HANS ROBERT GUENTHER

Ich hatte fest vor, Journalist zu werden. Seit der SPIEGEL-Affäre habe ich es mir nun anders überlegt. Aus Gründen der Sicherheit werde ich doch wohl besser Pfarrer.

Duisburg

JöRG GROSSE WELSCHEDE

Seit dem 6. November, dem Tag, an welchem die neue Ausgabe des SPIEGEL bereits überall zu kaufen war, wird der SPIEGEL in der Kantine der Schlieffen -Kaserne in Lüneburg nicht mehr zum Verkauf angeboten. Auf meine Frage an den Kantinenwirt nach dem Grund

dafür, bekam ich zur Antwort, daß nicht er, sondern die Standortverwaltung der Bundeswehr bestimme, was verkauft werden dürfe.

Lüneburg

MICHAEL FÜRER

Ich frage mich: Wer wird der nächste sein? Auch Soldaten sind kritisch!

Hofgeismar (Hessen)

MANFRED DEFLAND

Hauptgefreiter

Namens des Bundesvorstandes des Verbandes der Kriegsteilnehmer und Hinterbliebenen Deutschlands e.V. erlauben wir uns, Ihnen mitzuteilen, daß wir uns solidarisch im Kampf um die Pressefreiheit, die auch unsere Freiheit nach dem Grundgesetz in sich birgt, mit der Wochenschrift DER SPIEGEL erklären.

Münster (Westf.)

VERBAND DER KRIEGSTEILNEHMER

UND HINTERBLIEBENEN DEUTSCHLANDS E.V.

Wird es etwa bald wieder Zeit auszuwandern? Dann aber nicht nach Spanien!

Berlin

WILHELM SPATZ

... versichere ich Sie meiner tiefen Solidarität und biete Ihnen in jeder möglichen Form meine Dienste an. Ich tue das, weil der Kampf um die Pressefreiheit unteilbar ist und keine Grenzpfähle kennt.

Wetzikon (Schweiz)

ERWIN A. LANG

Mitglied des kantonal-zürcherischen Parlaments

Wer bar des Bewußtseins ist, daß das Recht, die Fresse aufzureißen, die Verpflichtung dem Staate, dem Vaterlande gegenüber in sich birgt, ist Totengräber unserer durch den Kommunismus permanent gefährdeten, tödlich bedrohten Freiheit.

Berlin

H.G. STABENOW

Sie ahnen gar nicht, wie blöd Ihr Käse ist, den Sie wöchentlich verzapfen.

Kirnach (Schwarzw.)

WALTER MENEKES

Ich verstehe nicht die Erregung der Öffentlichkeit. Nähern wir uns doch mit einer Geschwindigkeit von täglich 24 Stunden dem Jahre 1984.

Itzehoe (Holst.)

JOACHIM GRONAU

Da hierzulande Rechtsparteien regieren, ist die Bundesrepublik damit ein Rechtsstaat.

Bremen

SIEGFRIED JÜRGENS

Meine Frau, 48, Hausmütterchen par indifference, ist seit 1945 erstmalig entrüstet, und das will was heißen.

Köln CURT BECKER

Willoughby*

Stern

»Du glaubst doch nicht, daß ich mich darüber freue...«

SPD-MdL

Lurgenstein

Elisabeth

Flickenschildt

Scholz*

* Ehemaliger Generalmajor der US-Armee, von 1941 bis 1951 Chef der Spionageabwehr Und des Nachrichtendienstes im Stab des Generals Douglas McArthur.

* Schriftsteller ("Am grünen Strand der Spree").

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