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JORDANIEN Kampf der Schlange

aus DER SPIEGEL 39/1999

Der junge König Abdullah geht hart gegen die extremistische Hamas-Bewegung vor. Nach ihrer Ankunft auf dem Flughafen von Amman wurden vorigen Mittwoch sechs einflussreiche Führer der Bewegung, darunter der Chef des Politbüros, Chalid Mischal, sowie Hamas-Sprecher Ibrahim Ghausche, vorübergehend verhaftet. Ein weiterer Funktionär wurde nach Dubai ausgewiesen. Die Festnahmen demonstrieren die Entschlossenheit der jordanischen Behörden, gegen die Islamisten vorzugehen. Bereits in den letzten Wochen waren 15 Aktivisten festgesetzt und 5 Hamas-Büros in Amman geschlossen und versiegelt worden. Begründung: »Gefahr für die öffentliche Ordnung des Landes.« Die Regierung beruft sich darauf, dass die Hamas-Führer ausdrücklich vor der Einreise gewarnt worden seien und nun die »Autorität des Landes und seiner Gesetze verletzt« hätten. Zugleich wurde »rassistische Hetze« gegen Juden und der Aufruf zur Liquidierung von »Gottesfeinden« unter Strafe gestellt. Hamas dagegen vermutet Israel und die USA als Drahtzieher hinter der Aktion und fordert die »unverzügliche Freilassung« ihrer Führer. Auch der Generalsekretär des jordanischen Anwältevereins, Salih al-Armuti, sieht in der Festnahme »eine rein politische Entscheidung«. Tatsächlich steht die extremistische Organisation den Friedensbemühungen von Israel, Jordanien und den Palästinensern sowie neuerdings auch Syrien im Weg. »Ich habe die Hamas in meinem Gebiet fast vernichtet«, hatte Palästinenser-Präsident Jassir Arafat den jungen König Abdullah immer wieder beschworen: »Aber wenn der Kopf der Schlange in Jordanien nicht getötet wird, bleibt sie gefährlich.«

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