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KROATIEN Kampf ums Erbe

aus DER SPIEGEL 52/1999

Nur zwei Wochen nach dem Tod von Staats- und Parteichef Franjo Tudjman, 77, wird die bislang allein regierende Kroatische Demokratische Gemeinschaft (HDZ) von heftigen Flügelkämpfen erschüttert. Der Kroatenherrscher hatte keinen eigenen Nachfolger aufgebaut. So streiten sich nun nicht weniger als 18 Vize-Parteichefs um das Vermächtnis. Der Termin für die Direktwahl des neuen Staatsoberhaupts ist auf den 24. Januar festgelegt worden. Während für das Oppositionsbündnis aus Sozialdemokraten, Liberalen und anderen kleinen Parteien Drazen Budisa, 51, ins Rennen geht, konnte sich die HDZ noch nicht auf einen Kandidaten einigen. Obwohl Umfragen zufolge nur dem reformfreudigen Mate Granic, 52, HDZ-Vize und Außenminister Kroatiens, wirkliche Chancen eingeräumt werden, Budisa in einer Stichwahl zu besiegen, erheben mehrere HDZ-Spitzenfunktionäre Anspruch auf die Kandidatur. Erst am 5. Januar will die HDZ auf einer Sonderparteikonferenz eine Entscheidung fällen. Ob sich Granic dann durchsetzen wird, ist offen. Die Mehrzahl der Parteimitglieder fürchtet den Reformer, der seine Absicht bekennt, die Partei von »Ewiggestrigen« und »Nationalisten« säubern zu wollen. Granic: »Nur mit einem neuen Profil wird die HDZ überleben und vom Westen als politische Kraft ernst genommen.«

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