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PERSONALIEN Karl Schiller, Herbert Wehner, Edward Nixon, Georg Leber, Carlo Schmid, Hermann Höcherl, Adolf von Thadden, Swetlana Allilujewa

aus DER SPIEGEL 43/1968

Karl Schiller, 57, Konjunktur-Minister, will seine Mitarbeiter durch einen Wanderpreis zu erhöhten Leistungen anspornen. Als Trophäe stiftete der Sozialdemokrat das gerahmte Farbphoto eines Raketenstarts, das er während eines Besuchs auf Cape Kennedy als Gastgeschenk erhalten hat. Preisträger soll jeweils die Abteilung sein, die mit Erfolg einen wirtschaftspolitischen Plan durchsetzt, Die Jury: der Minister und seine Staatssekretäre. Schiller über den Sinn seiner Stiftung: »Damit alle wissen, wer bei uns besonders gut gearbeitet hat.«

Herbert Wehner, 62, SPD-Vize, lobte in einem Gespräch mit CDU-Präside Eugen Gerstenmaier, FDP-Chef Scheel und dem CSU-Landesgruppen-Vorsitzenden Stücklen den Christdemokraten: »Sie sind ein prima Bundestagspräsident, obwohl ich mit die meisten Ordnungsrufe einstecken mußte. Aber alles haben Sie doch nicht mitbekommen.« Der Minister erzählte dann Stücklen: »Ihrem Parteifreund Richard Jaeger habe ich einmal bei einer seiner gegen mich gerichteten Attacken zum Ulk ganz leise zugerufen: »Was würde Ihre Frau sagen, wenn sie wüßte, daß Sie in Bonn ein Verhältnis haben?"« Wehner: »Den Jaeger hätten Sie mal sehen sollen. Der SPD-Vize zu Gerstenmaier: »Und das steht nicht einmal in den Protokollen. Die Stenographen waren schon immer meine Freunde.«

Edward Nixon, 38, Verwaltungs-Angestellter bei der Telephon-Gesellschaft von Seattle, nahm Urlaub, um seinem älteren Bruder auf dem Weg ins Weiße Haus zu helfen: Ed trat der Wahlkampf-Mannschaft des republikanischen Präsidentschafts-Kandidaten Richard Nixon, 55, bei und wird im Hauptquartier seines Bruders die persönlichen Kontakte des Kandidaten überwachen. Ed über Richard: »Er ist so ziemlich der redlichste Bursche, dem man begegnen kann.« Befragt, warum er kein Nixon-Abzeichen trage, antwortete Edward . »Ich trage eines. Mitten im Gesicht« -- und deutete auf seine Nase.

Georg Leber, 48. Verkehrsminister. beantwortete vergangenen Mittwoch im Bundestag Fragen nach den verbilligton Bundeshahn-Sondertarifen »Aktion 65« (für Rentner) sowie »Aktion rosa Zeiten« (für Paare) und regte abschließend an: »Ich kann mir vorstellen, daß die Bundesbahn einmal ein attraktives Angebot für wirkliche junge Ehepaare machl.« Von der Regierungsbank aus rief der Gesamtdeutsche Minister Herbert Wehner einen Gegenvorschlag: »Wie wär's, wenn jetzt auch eine »Aktion 175' gestartet würde?«

Carlo Schmid, 71, SPD-Professor, begrüßte als Ehrengast einer Photo-Ausstellung in der Bonner Beethovenhalle die Besucher und entdeckte plötzlich unter den defilierenden Gästen die Ehefrau des britischen Botschaftsrats Lance Pope, Ilse. Der Minister eilte mit dem Ruf »Komm Mädchen« auf die Rats-Frau zu und küßte sie stürmisch. Laut erinnerte Schmid-Freund Pope: »Das ist meine Frau!« Wenig später sprach der Minister in seiner Eröffnungsrede über die ausgestellten Photos von »Schönheiten im Dekolleté« und gestand: »Auch ich schaue mir das gern an, wenn auch mein Alter mich vor lüsternen Begierden schützt.«

Hermann Höcherl, 56 gelernter Jurist, erschien zu einem Kongreß der Gewerkschaft Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft in Erbach (Odenwald) mit einstündiger Verspätung und erklärte: »Mein Haus hat die Fahrtzeit falsch berechnet.« Gewerkschafts-Vorsitzender Schmalz begnügte sich mit der verbalen Entschuldigung nicht: Wollen Sie dafür nicht bei uns Mitglied werden?« Der Minister war einverstanden. Nach der Tagung lobte Jung-Gewerkschaftler Höcherl seine Genossen: »Das sind tolerante, fortschrittliche Leute mit offener Haltung.«

Adolf von Thadden, 47, NPD-Chef, auf die Frage eines Journalisten, für wen seine 22 Parteigenossen in der Bundesversammlung bei der Wahl des nächsten Bundespräsidenten stimmen wollen: »Bei dem Gewicht, das allgemein die persönliche Meinung von Parteivorsitzenden hat, wäre eine vorzeitige Bekanntgabe der persönlichen Meinung in dieser Frage eine erhebliche Präjudizierung beziehungsweise Einschränkung der Entscheidungsfreiheit der Fraktionen in der Bundesversammlung.« Thadden nach kurzer Pause: »Druckreif, was?« Als der Reporter wissen wollte, ob Thadden nicht »als Mensch« etwas zu den Präsidentschaftskandidaten sagen könne, erwiderte der Nationaldemokrat: »Da der Mensch Thadden alle diese Menschen persönlich kennt, möchte auch der Mensch sich zu den anderen Menschen nicht äußern.«

Swetlana Allilujewa, 43, Stalin-Tochter, wird in den Vereinigten Staaten seßhaft. Die ehemalige Dozentin für Literaturwissenschaften am Moskauer Institut für Geschichte und Philosophie, die im Vorjahr über Indien in die USA emigrierte, kaufte in der Nähe der Princeton-Universität im Bundesstaat New Jersey ein Holzhaus auf einem 2000 Quadratmeter großen Grundstück. Preis: 238 000 Mark. Bislang bewohnte die Stalin-Tochter, die sich um die amerikanische Staatsbürgerschaft bemüht, das (gemietete) Vier-Zimmer-Haus der Verleger-Witwe Dorothy Berliner Commins in Princeton. Am 1. Januar, wenn die Vermieterin von einer einjährigen Europareise zurückkehren wird, muß Swetlana umziehen. Um dann ein endgültiges Heim zu haben, erstand die Russin, deren Erinnerungen an Vater Josef Stalin ("Zwanzig Briefe an einen Freund") mit zehn Millionen Mark honoriert wurden, das Haus eines verstorbenen Arztes. Swetlana: »Ich hätte lieber ein kleineres Haus genommen. Aber es gab gerade keines.«

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