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Stasi Kartei in Containern

aus DER SPIEGEL 37/1993

Die Stasi hat ihre wichtigen Karteien komplett kopiert, um auch im Notfall alle Daten ihres Agentennetzes griffbereit zu haben. Dafür wurden in der Berliner Gauck-Behörde jetzt erstmals Beweise gefunden. Laut einem »Bericht über den Stand der Einsatz- und Mobilmachungsbereitschaft« vom Dezember 1988 war für die Doppelakten eigens ein Stab der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) zuständig. Der besorgte laufend die »Sicherheitsverfilmung sämtlicher operativer Karteien« auf »16 mm Mikrodünnfilm«, darunter auch die mit den Klar- und Decknamen aller Stasi-Spitzel. Die Verantwortung für die Gesamtverfilmung hatte HVA-Chef Generaloberst Werner Großmann, der bisher dazu schwieg. »Die gefertigten Rollfilme«, so enthüllt der jetzt gefundene Geheimbericht, »werden in Containern aufbewahrt und stehen damit ständig bereit, um auf Weisung des Leiters der HVA ausgelagert zu werden.« Großmann konnte im Spannungsfall das gesamte Stasi-Vermächtnis also relativ leicht beiseite schaffen lassen. Als die DDR Ende 1989 zusammenbrach, standen dem HVA-Chef zwecks Auslagerung rund 190 »wasserdichte Stahlkassetten zur Verfügung«. Diese kleinen Rundcontainer können - vergraben oder in einem See versenkt - Jahrzehnte überdauern. Ob diese Kopien noch existieren und wo sie sich befinden könnten, ist unbekannt.

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