Zur Ausgabe
Artikel 82 / 107
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

WERBUNG Kartellamt schießt quer

aus DER SPIEGEL 30/2005

Die Diskussion um die »Service- und Freundlichkeitskampagne« der Bundesregierung schlägt Wellen: Am Donnerstag vergangener Woche entschied das Bundeskartellamt, dass die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT), die das Projekt im Auftrag der Regierung vergibt, die Angebote der rivalisierenden Agenturen Scholz & Friends und Abold neu bewerten muss. Damit kann der Auftrag vorerst nicht, wie von der DZT geplant, an die Münchner Firma von Andreas Abold erteilt werden. In der Vergabejury hatte Abolds alter Geschäftspartner Fedor Radmann sowie dessen Gattin Michaela gesessen. Der Werberverband GWA hatte eine Nachprüfung beantragt, weil er eine Befangenheit der beiden Jurymitglieder vermutete. Eine laufende Verbindung zwischen Radmann und Abold konnte zwar nicht belegt werden. Trotzdem weist das Kartellamt »generell und losgelöst vom vorliegenden Fall« darauf hin, »dass es aus Sicht eines öffentlichen Auftraggebers tunlich ist, von der Einschaltung einer Person in das Vergabeverfahren abzusehen, wenn persönliche oder engere geschäftliche Beziehungen zu einem der Bieter bekannt sind«. Das Kartellamt bemängelt, dass die DZT das Juryvotum blind übernommen habe und die Bewertungsmaßstäbe nach der Ausschreibung unrechtmäßig verändert wurden. GWA-Hauptgeschäftsführer Henning von Vieregge freut sich über den Erfolg: »Der Warnschuss gegen Unprofessionalität bei der Vergabe steuerfinanzierter Kommunikationsarbeit ist gelungen.« DZT-Projektleiter Norbert Tödter besteht darauf, dass die Jury korrekt besetzt gewesen sei: »Momentan gehe ich davon aus, dass das Juryvotum weiterhin in die Entscheidung einfließen wird.« Der Zuschlag solle nun bis Ende August erteilt werden. Eigentlich hatte die Kampagne im Juni starten sollen.

Zur Ausgabe
Artikel 82 / 107
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel