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GESUNDHEIT Kassenbeiträge steigen

aus DER SPIEGEL 43/2001

Über elf Millionen Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung müssen damit rechnen, im kommenden Jahr mehr Geld an ihre Krankenkasse zu zahlen. Nach internen Informationen des Bundesgesundheitsministeriums wollen die beiden größten deutschen Krankenkassen Barmer und DAK ihre Beitragssätze um mindestens 0,5 Prozentpunkte anheben. Entsprechende Beschlüsse würden für die Verwaltungsratssitzungen der Kassen Ende November vorbereitet. Spitzenbeamte von Ministerin Ulla Schmidt (SPD) gehen deshalb davon aus, dass der durchschnittliche Kassenbeitrag aller gesetzlich Versicherten von derzeit 13,7 Prozent des Bruttolohns im kommenden Jahr auf über 14 Prozent steigen wird. Die Ministerin hatte bislang lediglich einen möglichen Anstieg auf 13,8 Prozent eingeräumt. Ursache ist nach Angaben der Krankenkassen vor allem die Explosion der Arzneimittelkosten. Allein im ersten Halbjahr waren die Ausgaben für Pillen und Medikamente um mehr als zehn Prozent gestiegen. Bis zum Jahresende rechnen die Kassen mit einer Mehrbelastung von etwa vier Milliarden Mark. Vom Sparpaket, das Schmidt in der vergangenen Woche auf den Weg brachte, erwarten die Kassen hingegen nur eine Entlastung von einer Milliarde Mark. Zunehmend nervös reagiert auch Bundeskanzler Gerhard Schröder, der sich mit Äußerungen zur Gesundheitspolitik monatelang zurückgehalten hatte. Bei einer Veranstaltung des Darmstädter Pharmakonzerns Merck sprach er sich in der vergangenen Woche nachdrücklich für mehr Sparsamkeit aus, »weil wir die Lohnnebenkosten im Griff behalten müssen«. Regierungskreise interpretierten dies auch als Signal: Der Kanzler wolle die heikle Gesundheitspolitik nicht länger der Ministerin allein überlassen. Zur Verdeutlichung der immensen Aufwendungen für das Gesundheitswesen hatte der Kanzler in seiner Rede einen drastischen Vergleich angeführt: »Wenn Sie eine Milliarde hätten und gäben Ihrer Frau täglich 10 000 Mark zum Ausgeben, dann würden Sie die Dame 300 Jahre nicht sehen. So viel ist eine Milliarde. Davon geben wir jedes Jahr 500 aus.«

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