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Briefe

KdF-Urlauber
aus DER SPIEGEL 30/1972

KdF-Urlauber

(Nr. 28/1972, Architektur)

Ihr ausgezeichneter Bericht über die Ferien-Wüsten am schleswig-holsteinischen Ostseestrand veranlaßt zu folgen -- der Bemerkung: »Wir mußten etwas in Richtung Mittelmeer tun« -- aber natürlich größer, komfortabler, teurer. Gibt es ein anschaulicheres Paradigma für des Deutschen Drang nach Perfektion, Gründlichkeit, Gigantomanie? Wenige Kilometer weiter nördlich -- die Bescheidenheit dänischer Holzhaus-Idylle erscheint dagegen wie ein Relikt aus vorindustrieller Zeit. Gottlob, daß wir unser Urlaubsziel -- noch -- frei wählen können!

Neuhausen (Bad.-Württ.) ULRICH VIEFHAUS

Einige Breitseiten der Bundesmarine, abgefeuert auf diese Beton gewordene Profitgier, würden die Bedeutung des Militärs für den Umweltschutz in ein ganz neues Licht rücken.

Köln WILHELM LAMMERS

Bravo, SPIEGEL, daß Sie die Zerstörung der Welt durch die Kommerz-Bestien aufzeigen.

Wien DR. ANDREAS DENGLER

Vor nicht allzulanger Zeit waren es unter anderem die vollkommen unzureichenden Unterkunftsmöglichkeiten, die fehlenden Freizeiteinrichtungen und die hoffnungslos veraltete Gastronomie, welche als Sündenböcke herhalten mußten. Heute sind es die Ferienzentren mit allen erdenklichen Freizeiteinrichtungen, bester Gastronomiebetreuung und insgesamt sehr gutem Wohnangebot, die gezielte Objekte für negative Berichterstattungen journalistischer oder anderer Naturapostel geworden sind. Es ist bezeichnend für Ihren Artikel, daß Sie vom Klappern der Lüftungsklappen in Heiligenhafen sprechen, obwohl gar keine Lüftungsklappen vorhanden sind. sondern ganz nach Wunsch regulierbare, baupolizeilich vorgeschriebene Absaugvorrichtungen, oder davon sprechen, daß man meist nur zum Kegeln oder Kurkonzert gehen kann, obwohl die Aufzählung der Freizeiteinrichtungen fast eine Seite Ihres Blattes benötigen würde.

Sicherlich, es hätte langsamer gebaut werden sollen, aber insgesamt gesehen war eine Verbesserung des Urlaubsangebotes nötig, und die einzelnen Zentren sind wohlüberlegt kompakt angeordnet, damit nur wenig Natur verbaut wurde.

Harkenbleck (Nieders.) HEINZ MÜLLER

Was hat eigentlich der SPIEGEL dagegen, daß endlich den miesen und teuren Pensionen und »Fremdenheimen« (Komfort: »fließend Warm- und Kaltwasser") moderne Hotels vor die Nase gesetzt werden. Selbstverständlich gibt es zu den Großhotelbauten an der Ostsee keine Alternative. Auch hier heißt es: Realitäten anerkennen. Außerdem: Die Unternehmer übernehmen das Risiko der Rentabilitäten, nicht ein sogenannter »progressiver« SPIEGEL-Redakteur.

Oldenburg HEINZ HAASE

Wie wäre es, wenn Rudolf Augstein die angeblich erleichterten Reisevorschriften für Westdeutsche in die DDR dazu benutzen würde, mit der SPIEGEL-Redaktion einen Betriebsausflug nach Rügen zu machen, um den einst für KdF-Urlauber gedachten Ferienpark Neu Mukran von 20 000 Betten am Prorer Wiek auf der Schmalen Heide zu besichtigen. Er könnte seine Redakteure bei der Gelegenheit gleich davon überzeugen, daß Hiddensee nicht auf Rügen liegt, wie es schwarz auf weiß im SPIEGEL steht, sondern eine selbständige, 17 Kilometer lange Ostseeinsel ist.

Heilbronn HERMANN ULBRICH-HANNIBAL

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