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SYDNEY 2000 Kein Staat, aber ein Olympiateam

aus DER SPIEGEL 35/2000

Sieben Athleten wollen in Sydney hinter einer blauen Fahne mit weißem Stern ins Stadion einmarschieren, die zu einem Staat gehört, den es gar nicht mehr gibt: Somalia. Mit Unterstützung des IOC werden Sportler wie der Langstreckenläufer Abukar Ahmed Mohammed zu den Olympischen Spielen reisen, weniger in der Hoffnung auf eine Medaille, als um ihr Land vor dem Vergessen zu bewahren. Seit 1991 hat Somalia keine Regierung oder funktionierende Verwaltung mehr. Kriegsherren mit bewaffneten Banden haben die Infrastruktur zerstört und die Ressourcen geplündert. Doch die Zivilgesellschaft wehrt sich: Im benachbarten Dschibuti trafen sich somalische Clanführer und bildeten jetzt ein Übergangsparlament. Unter den 225 Volksvertretern sind - zum Verdruss konservativer muslimischer Würdenträger - 25 Frauen. Auch die einzige Frau im Olympiateam, Safia Abukar Hussein, setzte sich gegen Fundamentalisten durch. Sie warfen ihr Verstoß gegen die Sitten vor, als sich die Athletin im Stadion von Mogadischu fit machte; dabei trug sie Trainingskleidung. Zum 400-Meter-Lauf in Sydney wird Hussein in Trikot und kurzen Hosen antreten.

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