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Pop Keiner besser als Johnny

aus DER SPIEGEL 5/1995

»Wo ist zu Hause, Mama?« fragte Johnny Cash 1959, stationiert in Landsberg am Lech, schwindlig vor Heimweh und trotzdem tapfer genug, sein Glück mit deutschem Gesang zu versuchen. Cash vermutete, zu Hause sei irgendwo »auf der großen Straße« oder »hinter die blauen Berge«. Dieser alte Song muß nun als Name für eine CD ("Wo ist zu Hause, Mama?« / Trikont) herhalten, auf der der bayerische Dichter Franz Dobler die besten deutschen Underground-Bands der neunziger Jahre versammelt hat. Bands, die keine Angst vor der deutschen Sprache haben - trotz der Verwüstungen, die Liedermacher und Deutsch-Rocker angerichtet haben. »Auf der Flagge, die wir hier hochziehen, steht das: Sing', wie du willst, aber erzähl' mir keinen Scheiß«, schreibt Dobler. Und tatsächlich können Bands wie Die Sterne, F.S.K., Die Braut haut ins Auge, Funny van Dannen und Bernd Begemann ironisch-lässige Texte basteln und sich mit sehr schlauen, sehr witzigen Zeilen herumschlagen, die oft nach Kleinkunst klingen. Alles ganz okay. Nur: Die große Kunst von Johnny kriegt keiner hin.

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