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Briefe

Keulenschwinger und Genies
aus DER SPIEGEL 49/2002

Keulenschwinger und Genies

Nr. 48/2002, Titel: Der Sternenkult der Ur-Germanen

Ich finde es gut, dass der SPIEGEL auf die europäische Megalithkultur als verschollene Hochkultur hinweist! Denn bisher galt es doch bei den meisten Fachleuten als ausgemacht, dass die Megalithkultur schon deswegen keine Hochkultur gewesen sein kann, weil sie keine schriftlichen Zeugnisse hinterlassen hat und dass die Ursprünge unserer Kultur fast nur im Vorderen Orient zu suchen sind. Christliche Theologen haben die Megalithbauten als reine Grabstätten eingestuft, um sie zu entwerten. Zwar hat man in den Steinhügeln die Überreste eingeäscherter Leichen gefunden, aber es ist auch im Christentum üblich, Menschen, die als bedeutend gelten, in den Kirchen, also an den Gottesdienstorten, zu bestatten.

OERLINGHAUSEN (NRDRH.-WESTF.) FRIEDRICH HÖNECKE

Bronzezeit gleich Ur-Germanen gleich Stonehenge gleich Externsteine. Stiftung Ahnenerbe lässt grüßen! Zu den Germanen sind es immerhin noch 1200 bis 1400 Jahre, Stonehenge ist steinzeitlich, und für die Externsteine fehlt der archäologische Beleg einer vorgeschichtlichen Nutzung oder Bedeutung nach wie vor. Auch wenn es der Vermittlung von Bildern und Zusammenhängen dient, solche Vereinfachungen helfen der Archäologie auch nicht weiter. Was spricht denn gegen die Bezeichnung »bronzezeitliche Bevölkerung«?

NÜRNBERG HANS TRAUNER

Die Astronomie-Historiker sind seit langem davon überzeugt, dass die Menschen der Steinzeit über himmelskundliches Wissen verfügten. Es mag stimmen, dass einige Kollegen etwas krampfhaft nach Code-Systemen und kalendarischen Zahlen auf den bronzezeitlichen Goldblechen suchen. Das trifft aber auf keinen Fall für den Berliner Goldhut zu. Ich bin fest davon überzeugt, dass er in symbolischer Weise Daten der Bewegung von Sonne und Mond enthält. Es war ein Kultobjekt zur Anbetung eines Himmelsgottes. Was die dargestellten Objekte auf der Sternscheibe von Nebra betrifft, so denke ich eher, dass es sich um Sonne und Mond (nicht um Halb- und Vollmond) handelt. Dank dem SPIEGEL für den nicht nur gut zu lesenden, sondern zudem so sachkundigen Bericht!

BERLIN DR. JÜRGEN HAMEL

ARCHENHOLD-STERNWARTE

Die Fragestellung meiner Studie lautete: Wie funktionierte Archäologie im Nationalsozialismus? Die Ausgrabungen 1934/35 an den Externsteinen sind der Schwerpunkt, an dem ich diese Frage exemplarisch beantwortet habe, galten sie doch über lange Jahre als »Paradebeispiel« ideologisierter Zweckforschung Heinrich Himmlers. Dass die damals gemachten Funde verschollen sein sollen, ist eine Mär, die von selbst ernannten Externsteine-Forschern gern tradiert wird. Sie können im Lippischen Landesmuseum Detmold eingesehen werden. Meine Habilitationsschrift »Die Externsteine sind bis auf weiteres germanisch! Prähistorische Archäologie im Dritten Reich« (Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld) erscheint jetzt im Buchhandel.

BERLIN PD DR. UTA HALLE

ARCHÄOLOGIN

Mit Spannung habe ich den Titelbericht zur Sternengeschichte der Ur-Germanen gelesen. Ein faszinierender Bericht! Mir ist aber aufgefallen, dass Sie die bahnbrechende Entdeckung von Helge Wirth (Geograf und Astronom in Frankfurt am Main) übersehen haben. Wirth weist nach, dass die Sternbilder in der Vorzeit nach geomorphologischen Gesichtspunkten von den Menschen gestaltet wurden. Auf diese Art findet sich nach streng wissenschaftlicher Analyse ein kompletter Atlas der nördlichen Hemisphäre am Himmel der Steinzeit.

BETTENDORF (RHLD.-PF.) PROF. HARALD BRAEM

Als Veranstalter von Manager-Seminaren unter dem sommerlichen Sternenhimmel der Bretagne erlebe ich oft eine verblüffende Unkenntnis der durchweg akademisch gebildeten Führungskräfte von einfachen astronomischen Zusammenhängen. Viele kennen weder den Unterschied zwischen Planeten und Fixsternen, noch wissen sie Genaues über den Umlauf des Mondes. Umso erstaunlicher die präzisen naturwissenschaftlichen Kenntnisse jener Menschen, die vor 10 000 Jahren dieses Land bewohnten und von uns gern als primitive Vorfahren betrachtet werden. Mögen manche vielleicht Keulen geschwungen haben, einige von ihnen waren mit Sicherheit astronomisch-mathematische Genies.

RAMELDANGE (LUXEMBURG) RAINER HOLBE

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