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FREITAG Kinder des Satans

20.40 - 22.05 Uhr Arte
aus DER SPIEGEL 21/1995

Gut, daß auf den Grabsteinen der beiden jungen Leichen dieses TV-Teufelsbratens von Regisseur Bernd Schadewald die Jahreszahl 1995 steht. Denn es sieht in diesem Spiel um Schüler, die sich dem Satanswahn ergeben, oft nach Murnau und den expressionistischen Karikaturen deutscher Kleinstädte aus. Schadewald treibt alles auf die Szene, was es an gängiger Kino- und Fernsehteufelei gibt. Die Flammen lodern viele Filmminuten lang, den Gottseibeiuns ruft eine gräßlich maskierte Schar von Satansjüngern im Gebet an, zu Bräuten des Verderbers Erkorene werden rituell vergewaltigt. Besorgte Menschen beugen sich in Bibliothekssälen über Folianten, um dem Sektenwahnsinn und seinen Symbolen auf die Schliche zu kommen. Man sieht, hier will sich ein deutscher TV-Film von dem ganzen Ballast sonst üblicher sozialpsychologischer Erklärung befreien, um sich der Magie (große Kamerakunst: Klaus Eichhammer) zu ergeben. Das geschieht bei Schadewald mit der bei ihm üblichen handwerklichen Präzision, vor Übertreibungen hat er keine Angst. Ein kleiner Pferdefuß: Nicolette Krebitz als verängstigte Schülerin und Christian Redl, ein Pfarrer voller Skrupel, tun sich sichtlich schwer in dieser schwarzen Bildschirm-Messe. Die Kunst beider Darsteller glänzt stärker, wenn sie mit nüchterner Präzision die Dämonie des Alltäglichen zu erhellen hat.

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