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Am Rande Kinder-Stunde

aus DER SPIEGEL 29/2001

Fangen wir, weil's irgendwie zum Thema passt, mit einer Schulfrage an: Was fällt uns zu Orléans ein? Na ja ... Johanna eben, zeitlebens Jungfrau trotz schwerer Kindheit und so. Dann göttliche Eingebung, Krieg, Gedöns und früher Tod auf dem Scheiterhaufen. Karrieretechnisch übel, wenn man von der Heiligsprechung absieht, die aber erst Jahrhunderte später erfolgte, wie in der Heiligsprechungsbranche üblich.

Hätte nicht sein müssen: So jung, so tot, wird sich Serge Grouard, gaullistischer Bürgermeister von Orléans gedacht haben. Johanna ist eben viel zu früh auf die Straße geraten, wo es auch heute noch unschön zuzugehen scheint. Also verhängte Grouard nun eine nächtliche Ausgangssperre für Kinder, die in den weniger gut beleumundeten Bezirken seiner Stadt aufwachsen. Jugendschutz und so. Harte Hand, wie in der Rechtsaußen-Branche üblich.

Nun kann man natürlich sagen: Soll er sich dort mal lieber um Drogendealer und Autoknacker kümmern, der Herr Rechtsaußen. Oder um gute Schulen, wo man lernt, dass Straßenkarrieren und Heiligsprechungen nicht unbedingt erstrebenswert sind. Andererseits bieten sich auch für deutsche Großstädte neue Möglichkeiten der Verbrechensprävention. Wie wär's mit einer kompletten Ausgangssperre für Zuhälter im Bahnhofsviertel von Frankfurt am Main? Oder mit Hausarrest für Neonazis im kompletten Frankfurt (Oder)? Könnte ja was bringen. Wer's glaubt, wird selig. Oder sogar heilig (siehe oben). Dauert aber. Bis dahin können die Kinder von Orléans Fernsehen gucken. Das ist noch nicht verboten und nachts oft ähnlich bildend wie der Besuch eines Rotlichtviertels.

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