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Briefe

Klappe zu - Affe tot
aus DER SPIEGEL 34/1979

Klappe zu - Affe tot

(Nr. 32/1979, Strafvollzug: Achim Mechler, 48, Leitender Medizinaldirektor und bis vor kurzem Chef des Vollzugskrankenhauses Hohenasperg, quittiert aus »Gewissensnot« den Staatsdienst)

In unseren Gefängnissen werden aus harmlosen kleinen Eierdieben gefährliche Kriminelle gemacht.

Osnabrück HANS-PETER GROTHE

z. Z. Justizvollzugsanstalt

Ein guter Mann weniger in der Durchführung und Leitung des Strafvollzugs, und gute Leute gibt es leider zuwenig in unserem »Verwahrvollzug«.

Straubing (Bayern) GEORG STENGLE

z. Z. Justizvollzugsanstalt

Man muß zum Teil das Personal der Vollzugsanstalt in Schutz nehmen, da bornierte Maßregelungen von höherer Stelle bestimmt werden. Ich würde zur Verbesserung ein Diskussionsforum vorschlagen. Dazu sollten Gefangene, Justizvollzugsanstalts-Bedienstete, Beamte des zuständigen Ministeriums und Mitglieder der Strafvollstreckungskammern zu Wort kommen.

Straubing (Bayern) KLAUS MASSBERGER

z. Z. Justizvollzugsanstalt

Die beamteten Juristen überlassen die Knochenarbeit gutwilligen, doch durch vielerlei Vorschriften total überforderten Bediensteten. Man muß dem Mut des Dr. Mechler Achtung zollen, denn wo schert in unserem Land schon einmal ein Beamter aus. Meistens wird doch gebuckelt und mitgelaufen.

Frankfurt WILLI EDLER

Untersuchungshäftling

Die Berufseinstellung vieler Vollzugsbeamter habe ich als nebenberufliche Lehrkraft für Vollzugsbedienstete des mittleren Dienstes in dem beschriebenen Sinne kennengelernt (Motto: Klappe zu -- Affe tot).

Es bleibt die Frage an den Psychiater Dr. Mechler: Wem -- außer Ihnen selbst -- nutzt es noch, wenn Sie als Durchblicker auf den aktuellen Aussteiger-Trip gehen? Sie werden wissen, wem Sie das Schlachtfeld überlassen.

Wuppertal (Nrdrh.-Westf.)

WOLFGANG GÄRTNER Staatsanwalt

Mechler betrieb keine soziale Onanie, machte nicht Märchenstunde, klagte herrschende Mißstände an, doch ... »eine Schwalbe macht noch keinen Sommer« ... im rückfallproduzierenden deutschen Verwahrvollzug. Anliegend eine Zeichnung aus der Gefangenenzeitung »Janus« der Vollzugsanstalt Freiburg.

Freiburg HORST HASSO TROESCHER

Redaktion »Janus«

Die Häftlinge haben nur einen Ansprechpartner in dieser schwierigen Zeit der absoluten Isolation. Das ist die Beamtin. Und diese verachtet und verabscheut die Einsitzenden von Grund auf.

Schongau (Bayern) RITA LEHNER

ehemalige Praktikantin im Strafvollzug

Meines Erachtens hat Haftkritiker Dr. Mechler nicht die typische »Gefängnismedizin« beschrieben, sondern die Psychiatrie, wie sie sich zur Zeit in Deutschland leider darstellt.

Der Vollzugsbeamte, der auf einer Psychiatrischen Station als Krankenpfleger tätig ist, wird im Rahmen seiner Ausbildung mit diesen Patienten intensiv vertraut gemacht.

Der Pfleger kann hier sehr wohl unterscheiden zwischen Zweckverhalten im Strafvollzug und echten Suizidversuchen. Herrn Dr. Mechler sollte eigentlich bekannt sein, daß gerade diese Kranken sehr viel mitmenschliche Zuwendung erfahren.

Zu unterstreichen wäre die Feststellung von Herrn Dr. Mechler, daß die Arbeit und das Image der Vollzugsbeamten im mittleren Dienst in der Öffentlichkeit unterbewertet sind. Sicher sind Fälle der Resignation bekannt, die zu einem Fehlverhalten des einen oder anderen Beamten geführt haben.

* Die Knastgruppe libertäres Zentrum Bielefeld« brachte 1979 den Gedichtband »5 vor 12« von Lämmermann heraus.

Der Verfasser des Artikels ist ja auch offensichtlich durch Resignation motiviert, wenngleich diese zu einem anderen Ergebnis geführt hat.

Asperg (Bad.-Württ.) HELMUT G. STAKS Abteilungsdienstleiter im Vollzugskrankenhaus Hohenasperg

Vor Gericht wird mir immer vorgeworfen, ich hätte mir frühere Verurteilungen nicht zur Warnung dienen lassen, oder ich hätte aus früheren Verurteilungen nichts gelernt! Wenn ich das »Gelernte« anwenden würde, dann könnte ich nur noch mit der Gewalt leben. Man hat mich die Gewalt gelehrt. Wenn heute in den Alternativzeitungen, Presse und anderen Medien von Isolation die Rede ist, so denkt man in erster Linie an den politischen Gefangenen. Dabei läßt man vollkommen außer acht, daß der sogenannte kriminelle Gefangene in seiner Einsamkeit wesentlich isolierter ist als der bereits geschulte politische Gefangene. Es ist erwiesen, daß der soziale Gefangene von seiner Familie und seinem ganzen gewohnten Lebenskreis zunächst alleine gelassen und sehr schnell vergessen wird. Wohingegen beim politischen Gefangenen sich die Besucher und Anwälte die Türklinke in die Hand geben.

Bonn HEINZ LAMMERMANN· 7 Jahre Kinderheim, 5 Jahre Erziehungeheim. 10 Jahre Vollzugsanstalten

Dr. Mechler ist gegangen! Wer steuert nun den morschen Sühnekahn? Stuttgart NORBERT KATZWINKEL Untersuchungsgefangener

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