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PERSONALIEN Klaus Kinski, Anwar eI-Sadat , König Idris, Petra Unger, Lutz Bormann, Franz Barsig, Arthur Gruber

aus DER SPIEGEL 7/1974

Klaus Kinski (bürgerlich: Nakszynski), 47, Schauspieler, wurde von dem Münchner »Pelz-Modell-Haus« Viktor Körper KG verklagt. Der Darsteller hatte vor zwei Jahren einen maßgeschneiderten Zobel-Mantel für 64 900 Mark bestellt, den er bis heute nicht abholte oder gar bezahlte, Obschon das geprellte Pelz-Haus den Emigranten vergeblich bis in seine Residenz in Rom verfolgte und ihn im »Bundesanzeiger« gerichtlich ausschreiben ließ, hoffen die Zobel-Händler freilich noch immer, daß Kinski den Mantel auch ohne Zivilprozeß annimmt. »Der kümmert sich halt«, entschuldigt Körper-Anwalt Günther Heintzmann den säumigen Kunden, »im Moment einen Scheißdreck um den Zobel, aber vor der Verhandlung greift er bestimmt noch in die Tasche.« Dann jedoch verlangt der Pelzhersteller noch zwölf Prozent Zinsen auf die Kaufsumme.

Anwar eI-Sadat, 55, ägyptischer Präsident und seit dem Oktoberkrieg Held der arabischen Welt, brüskierte seinen libyschen Nachbarn Muammar el-Gaddafi, mit dem er noch vor einem halben Jahr eine Union eingehen wollte. Zur Hochzeit seiner Tochter Loubna lud Sadat den von Gaddafi gestürzten libyschen König Idris, 83, der seit 1969 verborgen von der Öffentlichkeit im Kairoer Exil lebt (Photo). Kommentar der libanesischen Zeitung »Al-Anwar": »Damit haben die ägyptisch-libyschen Beziehungen einen Tiefpunkt erreicht, von dem es kein Zurück mehr gibt.«

Petra Unger, 29, Richterin am Amtsgericht Wiesbaden, sieht ihre »richterliche Unabhängigkeit bedroht«. Nachdem sie letzten Montag den Studenten Horst Wesemann zu 150 Mark Geldstrafe verurteilte, weil er dem »ZDF Magazin«-Moderator Gerhard Löwenthal vor dessen Wiesbadener Stammlokal »Bobbeschänkelche« eine Ohrfeige verabreicht hatte, eröffnete Löwenthal ihr am Telephon: »Daß da von mir noch was kommt, das können Sie sich ja denken.« Der Magazin-Redakteur nannte das Strafmaß »zu niedrig«, die Verhandlungsführung »einen Spott und ein Hohn« und. belehrte die junge Richterin, »gegen linke Leute müsse man entschieden härter durchgreifen« (Unger). Löwenthal, der mit einer Pistole zum Prozeß erschienen war, hat Strafantrag wegen Beleidigung angekündigt -- gegen den mitangeklagten Studenten Gerhard Krum, der ihn vor Gericht als »Drecksau« beschimpft hatte und von der Richterin nach seinem Geschmack nicht streng genug gerügt worden war.

Lutz Bormann, 49, bis vor einem Jahr freier Mitarbeiter »mit Schreibtisch und mit Namen an der Tür« (Bormann) bei »ZDF Magazin«-Moderator Gerhard Löwenthal, macht neuerdings für seinen früheren Vorgesetzten nur noch Dreckarbeit. Weil ihn ZDF-Chefredakteur Rudolf Woher wegen der »Planstellensituation des Hauses« nicht fest anstellen will, arbeitet Bormann seit Ende Januar, »um Geld zu verdienen und um gegen das Verhalten der Verantwortlichen beim ZDF zu protestieren«, als Müllwerker (Monatsverdienst: 1194,53 Mark brutto) auf Wagen 26 der Wiesbadener Müllabfuhr (Photo) -- und leert auch bei Löwenthals in der Sonnenberger Straße die Mülltonnen. Bormann, »einer der noch wenigen rechten Redakteure« (so in einem Bittbrief an den ZDF-Verwaltungsratsvorsitzenden Helmut Kohl), der überall »als Rechtsaußen und Löwenthal-Reporter abgewiesen« wurde, lobt seine Mit-Müllmänner: »Ich bin beeindruckt von der menschlichen Atmosphäre.«

Franz Barsig, 49, Intendant des Senders Freies Berlin (SFB) wollte ein SFB-Interview mit dem Berliner Pädagogik- Prof essor Ludwig Issing nicht ausstrahlen lassen, weil es ihm unwichtig, aber auch unglaubhaft erschien. Der Gelehrte widerlegte darin eine Neujahrsbotschaft des Intendanten, der einen Trend »unserer Medien« beklagt hatte: Sie übten zuviel Kritik, führten sich als »Oberlehrer« auf und vernachlässigten den Anspruch der Zuschauer, »unterhalten zu werden«. Daraufhin ließ Issing 280 Berliner über ihre Zufriedenheit mit dem Fernsehen befragen. Ergebnis: Nur 17 Prozent wollten mehr Unterhaltung, 37 hingegen noch mehr Bildung, und über die Hälfte fand zuwenig Sendungen, die »Kritik an bestehenden Verhältnissen üben«.

Arthur Gruber, 59, CDU-Oberbürgermeister im baden-württembergischen Sindelfingen (55 000 Einwohner), pflegt Briefeschreiber zu rügen, die ihre Post an die Stadtverwaltung mit der neuen Rosa-Luxemburg-Sondermarke frankieren. Postwendend und auf vervielfältigten Formbriefen äußert sich der OB »verwundert über Ihre Handlungsweise«; er gehe jedoch »von der Annahme (aus), daß Sie sich der Tragweite Ihrer Entscheidung nicht ganz bewußt waren«, denn Rosa Luxemburg sei keiner »besonderen Würdigung durch ... demokratisch gesinnte Bürger wert«. Gruber durchschaut auch die Motive, die den SPD-Postminister Ehmke bei dieser Markenwahl leiteten: das »Bestreben, den ostdeutschen Genossen jede nur mögliche Schützenhilfe zu leisten«.

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