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Briefe

Kleidung: Smoking
aus DER SPIEGEL 52/1971

Kleidung: Smoking

(Nr. 49/1971, Peter Brügge über Hans Koschnick)

Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn der Regierungsstil eines Politikers im SPIEGEL kritisiert wird. Aber die unterschwelligen Emotionen, Halbwahrheiten, Verdächtigungen und Koschnick unterstellten Verhaltensweisen in dieser Häufung haben doch Seltenheitswert. Peter Brügge fühlt daher wohl selbst die geringe politische Beweiskraft seiner Kritik. Sonst hätte er wohl andere Gründe als persönliche hierfür angeführt.

So das angebliche Unvermögen Koschnicks, bei dem Bremer Volksfest »Eiswette« das Bieranzapfen zu übernehmen, das »ihm in tiefster Seele zuwider wäre«. Pech für Herrn Brügge ist nur, daß es gar kein »Volksfest Eiswette« in Bremen gibt. Bei der »Eiswette« handelt es sich um eine exklusive Herrenveranstaltung, in der Smoking vorgeschrieben ist und in der Regel nur Wein getrunken wird, So wird Bürgermeister Koschnick weiter vorgehalten, daß er kein Auto steuern, nicht tanzen und nicht schwimmen kann; daß er als »Abkomme aus einem Arbeiterviertel einen Bungalow erworben hat, den eine mannshohe Mauer abschirmt«. Bei Koschnick ist das nach Herrn Brügge besonders verwerflich, weil »Bittsteller, die sich von Koschnicks streng katholischer Frau unangemeldet Rat oder eine Empfehlung beim Regierenden erhoffen, häufig vor der Tür stehen«. In dieser Formulierung steckt eine infame persönliche Verunglimpfung.

Der Gipfel dieser Kriterien über einen Regierungsstil ist aber die folgende Bemerkung von Herrn Brügge: (So) »regiert der Sohn eines proletarischen Klassenkämpfers die Hansestadt Bremen; die Pfeffersäcke können jedenfalls beruhigt schlafen. Jene marxistischen Ideale, für die Mutter und Vater im KZ saßen, tauschte der Sohn in einen Pragmatismus ohne Vorzeichen ein«. Schade, daß Herr Brügge diesen »Verrat« Koschnicks an seinen Eltern und dem Marxismus nicht näher erläutert, man würde seinen eigenen politischen Standort dann erkennen.

Auch das jüngste Mitglied der Familie Koschnick wird bei seiner Kritik nicht ausgelassen, denn nach Peter Brügge lebt Koschnick »ohne private Eigenschaften in einer soliden, neutralen wie aus dem Katalog bezogenen Häuslichkeit, in der sich sein einziger Sohn an die Wand ein Plakat von Koschnick hängt«. Das ist der Schluß eines Artikels über den Regierungsstil des Bremer Bürgermeisters Koschnick. Dieses Machwerk kann man nur niedriger hängen.

Bremen ADOLF EHLERS

Bürgermeister i. R.

Auch wer, wie ich, als »Pfeffersack« und Bürger, nicht Wähler der SPD ist, wird Ihren Artikel über Bürgermeister Koschnick als tief unter die Gürtellinie gezielt empfinden. Nun geschieht ja beim SPIEGEL nichts ohne Absicht. Neuerdings mischt er sich massiv in die Flügelkämpfe der SPD ein -- siehe seine Abwertung von Leber, siehe seine Abwertung von Helmut Schmidt und siehe ganz besonders jetzt die ungerechte, zynische Abqualifizierung von Hans Koschnick. Vor der Bremer Wahl wäre der Artikel in Ihrem Blatt undenkbar gewesen. Der von Ihnen gewählte Zeitpunkt spricht Bände.

Bremen HERMANN SEGNITZ

Peter Brügge hat an Hans Koschnick kein gutes Haar gelassen, obwohl Bremens Regierungschef auch insofern durchaus keine Glatze trägt.

Delmenhorst (Nieders.) RUDI SCHAFFER

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