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FUSSBALL »Kleines Taschengeld«

aus DER SPIEGEL 50/1998

Der Präsident des Fußball-Viertligisten Bonner SC, Hans Viol, 52, über seinen Plan, die Nationalmannschaft Kubas für seinen Verein zu kaufen

SPIEGEL: Haben Sie schon Verträge unterschrieben?

Viol: Diese Woche verhandeln wir in Kuba; bei sozialistischen Ländern weiß man ja nie. Könnte doch sein, daß Fidel Castro sagt: Nö, wir haben was gegen Bonn. Aber ich glaube das nicht, denn diese Aktion ist eine prima Werbung für Kuba.

SPIEGEL: Kuba spielte nur einmal bei einer Weltmeisterschaft - 1938 auf Einladung. Wie können die Ihnen weiterhelfen?

Viol: Ich habe drei Spiele auf Video gesehen: Gegen Brasilien verloren sie nur 0:2. Ihnen fehlt der Wettbewerb sowie Taktik, Disziplin und deutsche Härte. Das lernen sie bei uns als eine Art Entwicklungshilfe. Wir wollen den Bonner SC mit den Kubanern in die 2. Liga zurückbringen, und die Kubaner brauchen Spielpraxis, um sich für die WM 2002 zu qualifizieren.

SPIEGEL: Auf Gastspielreisen ist die kubanische Nationalmannschaft bislang gut behütet worden, damit keiner abhanden kommt. Können Sie das in Bonn garantieren?

Viol: Wir bringen alle in einem ehemaligen Schülerwohnheim unter und belohnen sie mit einem kleinen Taschengeld. Mehr als eine sechsstellige Summe macht das nicht aus. Die Transferrechte bleiben beim kubanischen Verband, die Spieler erhalten bei uns Verträge. Das sichert doppelt ab. Unter keinen Umständen wird einer zu einem dritten Verein wechseln können. Auch das ist für uns ideal - sonst landet jeder, der in Bonn den Ball einigermaßen geradeaus schießen kann, sofort in Köln.

SPIEGEL: Wie wollen Sie Castro klarmachen, daß seine Kicker im Kapitalismus Reklame laufen müssen?

Viol: Ob bei denen »Kuba« oder »Cuba libre« auf den Trikots steht, das macht den Jungs nichts aus.

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