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»Klima des Unbehagens«

aus DER SPIEGEL 11/1993

In der Woche vor den französischen Parlamentswahlen befragte der SPIEGEL Premierminister Pierre Beregovoy, 67, zu der von Meinungsforschern vorausgesagten Niederlage der Sozialistischen Partei und der Bilanz seiner Regierung. Beregovoy über . . .

. . . die französische Wirtschaft:

Die Rezession in Deutschland und Großbritannien hat meine Arbeit erheblich erschwert. Aber unsere Wirtschaft ist gesund, das Budgetdefizit hat erträgliche Dimensionen. Keine Regierung nach mir kann die Stabilität des Franc außer acht lassen. Die Geschichte wird uns eines Tages recht geben.

. . . die drei Millionen Arbeitslosen:

Dieses Problem wirft einen Schatten auf unsere Leistung und hat zu einer Atmosphäre der Verdrossenheit geführt. Deshalb haben die Franzosen keinen klaren Blick mehr dafür, wie es in unserem Land wirklich aussieht.

. . . die zu erwartende Schlappe der Sozialisten:

Allen Parteien, die über einen langen Zeitraum regiert haben, macht die Abnutzung zu schaffen. Auch die Affären haben zum Klima des politischen Unbehagens beigetragen.

. . . den Vorschlag des früheren sozialistischen Premiers Michel Rocard, nach den Wahlen in einer Art Urknall eine neue demokratische Bewegung zu schaffen:

Die Analyse von Rocard ist korrekt. Wir müssen einfach bereit sein, eine große »sozialdemokratische« Föderation zu bilden, in der sich alle Parteien des Fortschritts vereinen können.

. . . die Folgen der wohl erforderlichen Zusammenarbeit, »cohabitation«, zwischen einem linken Präsidenten und einem rechten Premier:

Die Verfassung ermöglicht beiden, ihre Verantwortung wahrzunehmen. Der Staatschef wird die Verfassung respektieren und die ihm darin zugeschriebene Verantwortung wahrnehmen. Die Regierung betreibt unter Kontrolle des Parlaments die Politik der Nation, so wie es der Artikel 20 der Verfassung vorsieht.

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