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INDIEN Knochenbrecher in Uniform

aus DER SPIEGEL 31/2009

Menschenrechtler werfen den Sicherheitskräften der weltgrößten Demokratie systematische Folter vor: Seit 2002 starben 7468 Menschen in Indien durch schwere Misshandlungen auf Polizeiwachen und in Gefängnissen. Bis März 2009 gab es nach einem Bericht des Asian Centre for Human Rights (ACHR) 1184 Opfer in Polizeigewahrsam. Besonders schlimm sind demnach die Zustände in den mindestens 15 sogenannten Verhörzentren des Landes: Die Insassen - ob Kleinkriminelle oder mutmaßliche Terroristen - müssen damit rechnen, verprügelt oder gefoltert zu werden, bevor es überhaupt zu Verhören kommt. Zum Repertoire gehört, ihnen die Beine zu zerquetschen, Knochen zu brechen oder Elektroschocks zu verabreichen. Frauen werden nicht selten vergewaltigt. Wer an der Folter stirbt, wird offiziell zum Selbstmörder erklärt. Sicherheitskräfte in Unruhegebieten wie Kaschmir oder im nordöstlichen Assam haben dank Notstandsverordnungen freie Hand beim Umgang mit Verdächtigen, auch wenn kein Haftbefehl vorliegt. In kleineren Polizeiwachen werden Festgenommene oft nur deshalb gefoltert, weil sie keine Schmiergelder gezahlt haben.

Indien hat die Uno-Konvention gegen Folter bislang nicht ratifiziert. Trotzdem ist ACHR-Direktor Suhas Chakma zuversichtlich, dass Indien die Konvention nun in absehbarer Zeit verabschiedet, denn Bürgerproteste gegen die staatliche Willkür häufen sich.

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