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ITALIEN König der Fische

aus DER SPIEGEL 39/2009

Offenbar sind mehr Mafia-Gruppen in das Versenken von Giftmüllschiffen vor Italien verwickelt als bisher angenommen: Nach Erkenntnissen italienischer Ermittler sollen kalabresische 'Ndrangheta-Clans aus San Luca und Reggio Calabria sich die Unterstützung von Franco Muto gesichert haben, genannt »König der Fische«, dem Mafia-Boss des Küstenortes Cetraro. Er habe dafür Geld kassiert. Knapp 40 Kilometer vor Cetraro hatten Ermittler am vorvergangenen Wochenende das Wrack eines der Giftschiffe entdeckt. Ein Tauchroboter fotografierte in 500 Meter Tiefe den aufgesprengten Bug und herausquellende Fässer. Dass die Mafia vor allem Anfang der neunziger Jahre Dutzende Frachter mit Gift- oder sogar Atommüll vor Italiens Stränden versenkt hat, gilt Ermittlern schon lange als sicher. Bislang fehlten allerdings die Beweise. Auf die Spur des jetzigen Fundes hatten Umweltbeamte sowie ein Mafia-Aussteiger die Staatsanwälte gebracht: Wasseranalysen deuteten auf ein Giftschiff hin, und der Aussteiger hatte lange zuvor schon behauptet, an jener Stelle, an der jetzt das Wrack gefunden wurde, habe er 1993 einen Frachter gesprengt. Einen Teil des Giftmülls, sagt er, habe die Mafia auch vor Somalia ins Meer gekippt. Dort begründen Piraten ihre Attacken auf Frachter bis heute auch damit, westliche Müllschiffe würden ihre von keiner staatlichen Autorität geschützte Küste verseuchen.

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