Zur Ausgabe
Artikel 8 / 69
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Kohleausstieg Die wundersame Kumpel-Vermehrung

Wie viele Kumpel sind vom Kohleausstieg betroffen? Nach SPIEGEL-Informationen gibt es Zweifel daran, dass die in einem Gesetzentwurf genannten Beschäftigtenzahlen korrekt sind.
aus DER SPIEGEL 16/2020
Protestierende Kumpel in Sachsen (Archivbild): Wie viele Arbeiter vom Kohleausstieg betroffen sind, ist nicht ganz klar

Protestierende Kumpel in Sachsen (Archivbild): Wie viele Arbeiter vom Kohleausstieg betroffen sind, ist nicht ganz klar

Foto:

Rainer Weisflog/ imago images

Die Bundesregierung ringt um eine plausible Abschätzung, wie viele Kumpel vom Kohleausstieg betroffen sind. 40.000 Beschäftigte im Braun- und Steinkohlebergbau können in den nächsten Jahren ein Anpassungsgeld beantragen, fünf Milliarden Euro Steuermittel sind dafür veranschlagt - so steht es im Gesetzentwurf zum Kohleausstieg.

Dabei lagen die von der Regierungskommission für "Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung" genannten Beschäftigtenzahlen in der Braunkohle bei 20.000 und bei Steinkohlekraftwerken bei 5700. Diese Größen haben auch Unternehmen und Gewerkschaften verwendet.

In einer Antwort auf eine Frage des Grünenabgeordneten Oliver Krischer räumt das zuständige Bundeswirtschaftsministerium nun selbst Zweifel ein. Es sei "sehr gut möglich, dass diese Zahl zu hoch angesetzt" sei, schreiben die Beamten von Minister Peter Altmaier (CDU), und weiter: "Die Bundesregierung arbeitet derzeit daran, eine genauere Schätzung gemeinsam mit der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See vorzunehmen."

DER SPIEGEL 16/2020
Foto: cgs

Glaube, Liebe, Tapferkeit

Die Psychologie der Angst und die Kunst, Krisen zu meistern

Zur Ausgabe

Energieexperte Krischer vermutet, die Industrie wolle sich angesichts der für den Strukturwandel avisierten 40 Milliarden Euro den Kohleausstieg vergolden lassen. "Das muss sauber aufgearbeitet werden, damit nicht noch Beschäftigte aus anderen Konzernteilen, die nichts mit Stein- oder Braunkohle zu tun haben, vom Anpassungsgeld profitieren", sagt er.

Derzeit verhandeln die GroKo-Abgeordneten mit dem Wirtschaftsministerium und den Bundesländern über weitere Finanzhilfen für die Betreiber der Steinkohlekraftwerke. Die Coronakrise verzögert dies. Erst nach einer Einigung soll der Bundestag das Gesetz über den Kohleausstieg beschließen. Er soll bis 2038 beendet sein.

Zur Ausgabe
Artikel 8 / 69
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.