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STEUERFLUCHT »Kompliziertes Puzzle«

aus DER SPIEGEL 25/1998

Dieter Ondracek, 55, Vorsitzender der Deutschen Steuergewerkschaft, über Statistiken zur Steuerflucht

SPIEGEL: Sie behaupten, daß Steuerflüchtlinge 600 Milliarden Mark am Fiskus vorbei ins Ausland gebracht haben. Wie kommt die Steuergewerkschaft auf diese Zahl?

Ondracek: Beobachtungen und Untersuchungen der Oberfinanzdirektionen und des Bundesfinanzministeriums haben ergeben, daß etwa 800 Milliarden Mark über die Grenzen geschafft wurden. Nach Erfahrungen der Steuerfahnder werden nur etwa 20 Prozent der Zinserträge aus dem Ausland versteuert.

SPIEGEL: Bis vor kurzem hat die Deutsche Steuergewerkschaft geschätzt, daß 300 Milliarden Mark hinterzogen wurden. Welche Zahl gilt?

Ondracek: 300 Milliarden Mark sind allein in Luxemburg gelandet. In der Schweiz liegen, so die Schätzungen, etwa noch einmal soviel. Der Rest steckt in anderen Ländern, beispielsweise in Österreich.

SPIEGEL: Viele Banken sind schon durchsucht worden. Doch die Zahl der Strafverfahren hielt sich bisher in Grenzen. Warum?

Ondracek: Die Überweisungen und Einzahlungen sind von den Banken anonymisiert und getarnt worden. Es war ein kompliziertes Puzzlespiel, bis man hinter die Dinge kam. Jetzt geht es relativ zügig.

SPIEGEL: Rechnen Sie damit, daß alle Banken durchsucht werden?

Ondracek: Es ist alles eine Frage der Kapazitäten. Ohne Not hängt sich keine Steuerfahndung eine neue Großaktion an den Hals. Sonst saufen alle Fahndungen in der Bundesrepublik ab. Doch irgendwann ist auch die Deutsche Bank dran.

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