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Kongo-Kleinkrieg

aus DER SPIEGEL 3/1972

Die jahrelangen Streitigkeiten zwischen den beiden Kongo-Republiken eskalieren erneut -- diesmal geht es um Namen. Nachdem Kongo-Kinshasas Präsident Joseph Mobutou sowohl seinen Teilstaat als auch den Kongo-Fluß -- Grenzlinie zu Kongo-Brazzaville -- in »Zaire« umgetauft hatte, drohte Nachbar-Präsident Marien Ngouabi, der sich noch 1970 mit Mobutou zu einem Friedensgespräch auf einem Boot genau in Flußmitte getroffen hatte, mit Uno und Haager Weltgerichtshof: Der Strom sei internationales Gewässer, und Kinshasa habe kein Recht zur Umbenennung. Mobutou blieb ungerührt. Wie dringend ihm die Beseitigung kolonialer Relikte scheint, bewies er vorletztes Wochenende durch weitere Aktionen: Die Denkmäler Sir Henry Morton Stanleys (der den Kongo-Flußlauf erforschte) und König Leopolds II. von Belgien (der den Kongo zur Kolonie machte) wurden beseitigt, überdies müssen Zaires Minister, Nonnen und Mönche ihre ausländisch klingenden Nachnamen afrikanisieren.

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