Zur Ausgabe
Artikel 70 / 75

Konrad Adenauer

aus DER SPIEGEL 49/1964

Konrad Adenauer, 88, der gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Hermann Josef Werhahn und dem Bonner Korrespondenten des »Rheinischen Merkur«, Paul Wilhelm Wenger, in der Bonner Beethovenhalle eine Ausstellung des schleswig holsteinischen Expressionisten und Nolde-Schülers Ernst Günter Hansing, 35, besuchte, zeigte sich ungehalten über ein Adenauer-Porträt Hansings und befand, der nebenan placierte Kölner Erzbischof Kardinal Frings sei ungleich glücklicher getroffen. Adenauer zu Werhahn, einem Neffen des Kardinals: »Bin ich wirklich so schlimm wie auf diesem Bild? Bin ich wirklich so starr, so kalt und abweisend?« Werhahn, in dessen Arbeitszimmer eine Kopie jenes Adenauer-Porträts hängt, ungerührt: »Alle Leute haben gefunden, daß dieses Bild dir am ähnlichsten sieht.« Publizist Wenger tröstete den CDU-Vorsitzenden: »Herbert Wehner hat einmal gesagt, Sie seien politisches Urgestein, das hat der Maler in Ihrem Gesicht abgebildet.« Darauf Ex-Kanzler Adenauer, auf das Frings-Bildnis weisend: »Ich möchte aber viel lieber so sein, so mild und so markant. Und er ist trotzdem der Führer der Opposition gegen den Vatikan, der große Sprecher auf dem Konzil.«

Mehr lesen über

Zur Ausgabe
Artikel 70 / 75
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.