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Konrad Weiß,

aus DER SPIEGEL 31/1992

50, Dokumentarfilmer und Bundestagsabgeordneter vom Bündnis 90/Grüne, leistete mit Unhöflichkeit politischen Widerstand. Bei einer Visite des Bundestagsausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit im diktatorisch regierten Burma (Foto) weigerte sich der DDR-Menschenrechtler, im Gästehaus der Militärjunta zu übernachten. Ihm war zuvor ein Besuch bei der unter Hausarrest stehenden Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi verweigert worden. »Unter strenger Aufsicht des dortigen Staatssicherheitsdienstes«, so Weiß, durfte er schließlich in einem Hotel übernachten. Bei einem Militärempfang am nächsten Tag fiel er den Machthabern vom »State Law and Order Restoration Council« unangenehm auf, als er, mit Tasche und Mantel bestückt, »leider keine Hand zur Begrüßung frei« hatte. Das Staatsfernsehen mußte auf die Ausstrahlung der feierlichen Begrüßung verzichten, und auch in der einzigen Zeitung des Landes fehlte dieses offizielle Foto. »Denen habe ich«, so der Medienprofi zufrieden, »etwas die Show verhagelt.«

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