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Briefe

Kontakt gesucht
aus DER SPIEGEL 17/1977

Kontakt gesucht

(Nr. 15/1977, Entwicklungshilfe: Marie Schlei, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, verblüffte auf ihrer Afrika-Reise Gesprächspartner durch ihr Auftreten)

Frau Schlei, die sich auf ihrer Afrika. reise anscheinend wie eine unbedarfte Neckermann-Touristin aufgeführt hat, hat jetzt mal offen bestätigt, was verschiedene entwicklungspolitische Gruppen schon lange behaupten, nämlich, daß die sogenannte »Entwicklungshilfe« doch nur Entwicklungshilfe für die eigene Wirtschaft ist. Was Frau Schlei über Bodenschatzexploration in der Vierten Welt und wirtschaftliche Beziehungen zu Südafrika erklärte, zeigt die Einstellung der Bundesregierung zu den Entwicklungsländern: Sie sind nach wie vor die Goldesel!

Stuttgart BERNHARD SCHULTE-KEMNA

Ehemaliger Entwicklungshelfer

Kein Sozialdemokrat, der Ihren Bericht gelesen hat, sollte jemals wieder über den Reisekaiser Wilhelm 11. und seine fatalen Sprüche im Ausland lästern -- die Schwarzafrikas Jugend scherende Schlei ist schlimmer.

Hannover DR. KARL WEIDE

Marie Schlei ist eines gelungen: Sie konnte unseren afrikanischen Partnern eindringlich klarmachen, daß für uns nur eine friedliche Lösung der Konflikte in Frage kommt, daß wir darum keine Waffen liefern werden. Diese schwierige Aufgabe läßt sich aber nicht mit diplomatischer Vornehmheit, mit Resolutionen und Feiertagsreden bewältigen. Menschliche Bindungen und persönliches Vertrauen spielen in Afrika die wesentliche Rolle.

Grünstadt (Rhld.-Pf.) RUDOLF KAFFKA

MdB/SPD

Es ist hier offensichtlich, daß eine Politikerin erkannt hat, daß sich Politik nicht nur auf hoher diplomatischer Ebene abspielen darf. Marie Schlei hat den Kontakt zur Bevölkerung in den Entwicklungsländern gesucht und dabei einmal Politik unkonventioneller Machart praktiziert. Daß sie dabei das strenge Protokoll gebrochen und einige Politiker, die sich gerade in den Entwicklungsländern für viel zu wichtig halten, verwirrt hat, braucht gar nicht negativ bewertet zu werden. Mit Spott und Ironie sollte man nicht diejenigen bombardieren, die mehr Menschlichkeit in die Politik bringen wollen, sondern diejenigen, die eitel, großspurig und wichtigtuerisch sind.

Einbeck (Nieders.) THILO HOPPE

Mariechen Schlei sollte Entwicklungshilfe nicht verteilen, sondern für sich selbst empfangen; niemand hat es nötiger. Untersagt werden sollte ihr, sich als Berlinerin auszugeben; sie ist die Karikatur einer Berlinerin. Berlin GERDA SEEFELD

Vor dem gesunden Menschenverstand und der aufrichtigen Haltung von Frau Schlei können die meisten Minister-Größen nur vor Neid erblassen. Aber ein solches Verhalten ist den Politmanagern natürlich fremd und unbequem. Cloppenburg (Nieders.)

GERHARD GRENZ

Ihr Artikel über Entwicklungshilfeministerin Schlei ist großkotzig und strotzt vor männlicher Überheblichkeit. Was Sie Frau Schlei ankreiden, ist nicht ihre mangelnde Sachkompetenz, sondern ihr Geschlecht. Mit jedem Satz dieses Artikels demonstrieren Sie, daß Sie es nicht für nötig erachten, sich mit der Arbeit einer Frau sachlich auseinanderzusetzen! Dieser »Artikel« ist ganz einfach mies! Trier MARITA ROEDER-OVERDIcK

Da tritt endlich mal jemand in der Politik auf und setzt der männlich-gravitätischen Gespreiztheit auf diplomatischem Parkett menschliche Spontaneität entgegen -- dem SPIEGEL verkommt sogleich der Kommentar zur Häme.

Berlin ROLAND VOGT Dipl. Pol. z. Z. Gerichtsreferendar

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