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Kontaktverbot aufgehoben

aus DER SPIEGEL 12/1988

Die SED-Führung hat völlig überraschend die Kontaktsperre für Parteimitglieder weitgehend aufgehoben. In einer vertraulichen Information an leitende Funktionäre von Anfang Februar heißt es: »Es darf keine Diskriminierung von Genossen geben, die Verwandte in der BRD oder anderen kapitalistischen Ländern haben und in brieflichem oder persönlichem Kontakt mit ihnen stehen ... Die Partei verlangt nicht, daß sie ihrer Verwandtschaft abschwören. Ihnen dürfen daraus keine Nachteile irgendwelcher Art entstehen.« Jahrzehntelang war es genau andersherum. Die meisten Genossen hatten selbst zu engsten Verwandten, etwa Eltern oder Geschwistern, striktes Kontaktverbot. »Ausnahmeregelungen über die Unterhaltung von Kontakten«, heißt es in der neuen Instruktion dagegen, »kann es im wesentlichen nur für Genossen, die als Geheimnisträger verpflichtet sind, und die bewaffneten Organe geben.« Die Kehrtwendung soll jene DDR-Bürger befrieden, auf denen die Macht des SED-Regimes ruht: Die bisherigen Verbote schlossen die meisten der über zwei Millionen SED-Mitglieder vom Westreiseboom der letzten beiden Jahre aus, was zu wachsendem Unmut nicht nur an der Basis, sondern auch im Mittelbau der Partei geführt hatte.

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