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FRANKREICH Korsika gefährdet Jospins Zukunft

aus DER SPIEGEL 35/2000

Das überstürzte Korsika-Abkommen vom Juni, mit dem Premierminister Lionel Jospin den Separatisten Frieden abkaufen wollte, kann dem Sozialisten alle Chancen nehmen, im Jahr 2002 Staatspräsident zu werden. Die Rechte belegt den Premier seit Wochen mit Dauerbeschuss, weil er mit den Zugeständnissen - gesetzgeberische Befugnisse für das Inselparlament und Korsisch als Pflichtsprache in Grundschulen - langfristig die Unabhängigkeit Korsikas geradezu eingeleitet habe. Weit schlimmer für den Premier sind jedoch die Attacken aus dem eigenen sozialistischen Lager. Innenminister Jean-Pierre Chevènement, der dem Freund Jospin die »Verschleuderung« der Einheit der Republik vorwirft, steht vor dem Rücktritt. Parteilinke sind außer sich, dass der Premierminister sich mit »mafiosen Nationalisten«, die unter anderem den Mord am Präfekten Claude Erignac in Ajaccio im Februar 1998 nicht verurteilten, arrangierte und weder das Parlament noch die Frankreich-loyalen Korsen konsultierte. Der linke Historiker und Napoleon-Biograf Max Gallo sowie das linksgerichtete Wochenmagazin »Nouvel Observateur« verglichen deswegen Jospin sogar mit dem französischen Beschwichtigungspolitiker gegenüber Hitler, Edouard Daladier. Staatspräsident Jacques Chirac tut nichts, um den Rivalen aus der Klemme zu befreien.

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