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Kotze, Koevoet und Konsorten

SPIEGEL-Reporter Peter Schille über Namibia am Beginn seiner Unabhängigkeit (I)
Von Peter Schille
aus DER SPIEGEL 14/1989

Der Terror rast die Straße entlang, kreischend und lachend: ein Lindwurm aus 70 Panzerwagen, hochbordige rollende Festungen, armeegrün gestrichen. Schwarze Soldaten, auf den Vordersitzen hocken auch ein paar weiße, winken herunter; berauscht vom eigenen Gelächter, fidel wie Hochzeiter in ihren weißgrünen Unterhemden. Die Finger beider Hände recken sie zum Siegeszeichen empor, V für Victory.

Der Himmel über ihnen ist blau. Das Gras auf den Weiden steht hoch, und im Wind raschelt die Hirse. Obwohl sie so fröhlich schreien und ihre Gewehre kaum zu sehen sind, verbreiten die Soldaten nichts als Schrecken. »Wir haben den Krieg gewonnen«, schreien sie.

Die Menschen am Straßenrand haben ihn verloren. Die schwarzen Bauern und ihre Frauen, kleine Kinder auf den Rücken geschnallt, sind zu Stein geworden, ihre Gesichter graue verstockte Masken. Sie wagen nicht hinaufzublicken zu den Soldaten. Einige ballen die Rechte zur Faust und stoßen sie in die Luft, aber da ist die Meute der Schreckensmänner schon wieder davon.

Der Bauer Vestus treibt seine Rinder zusammen und sagt in gebrochenem Afrikaans: »Was für eine Narretei! Sie wollen uns weismachen, all das Unheil sei nicht passiert. Sie seien gar keine Teufel!« Allzu gründlich haben die Soldaten des namibischen Bataillons 101 im Ovamboland an der Grenze zu Angola den Bauern Ruhe und Ordnung besorgt.

Die Ordnung der Gegenwart ist die Unordnung der Zukunft: Oberst Louis Kotze, Kommandeur des Bataillons 101, wird bis zum letzten Tag an die Ordnung glauben, die er und Südafrika über seine Heimat verhängt haben. Diese Ordnung war Gewalt und bewahrte, in der letzten Kolonie auf dem afrikanischen Kontinent, die Herrschaft von 80 000 Weißen vor der Empörung fast anderthalb Millionen Schwarzer.

Diese Ordnung, 1884 vom deutschen Kaiser begründet, regelte die Unterwerfung der schwarzen durch die weiße Welt. Seit 1915 machte Südafrika Gebrauch von Land und Leuten, als wäre beides sein Besitz, Bestandteil seines Staatsgebiets, seine fünfte Provinz.

Die weißen Herren vertraten die europäische Kultur, Missionaren gleich erfüllten sie einen höheren Auftrag: Was sie auch unternahmen, es geschah zum Besten der Schwarzen, ob die wollten oder nicht. Die wurden um Zustimmung niemals gebeten, wie Kinder oder Hunde hatten sie ihre Erziehung über sich ergehen zu lassen. Sie mußten sogar Afrikaans lernen, die Sprache ihrer Tyrannen, die Sprache der Gefangenenkolonie: Wann immer sie sich wehrten, gab es Krieg.

Die Schwarzen leben noch heute im selben Land wie Oberst Kotze, und doch anderswo. Ihre Heimat heißt Elend, Kotzes Heimat Südwestafrika. Jetzt wird sie plötzlich Namibia genannt, nach der Wüste am Atlantik, und die alte Ordnung gilt nicht mehr. Ihr letzter Tag ist gekommen.

Die Republik Südafrika muß Namibia von der Besatzungsmacht Südafrika erlösen. Am 1. April begann die Unordnung der Zukunft, der Kreuzweg in die Unabhängigkeit, an Allerheiligen wird gewählt. 4650 Uno-Soldaten sind die Schutzpatrone des Waffenstillstands.

Oberst Kotze, 41, bekämpfte die Feinde der alten südafrikanischen Ordnung »bis Ende August 1988 in und außerhalb Angolas": die Befreiungsbewegung Swapo, in der Kotze nicht mehr erkennen kann als »einen Haufen kommunistischer Terroristen«. Für ihn ist der Krieg aus, vorläufig - »militärisch gewonnen, politisch verloren. Die Herzen und Hirne des Volkes haben wir nicht erobert«.

Ist der Krieg auch wirklich aus? In der Hauptstadt Windhuk tauchte, zusammen mit abziehenden Soldaten des Bataillons 101, eine Todesliste auf. Sie enthält die Namen aller Swapo-Führer, die noch ermordet werden sollen.

Die Herzen und Hirne einiger südafrikanischer Offiziere werden noch immer von Phantasien eines totalen Sieges erregt. »Wenn die Terroristen die Wahlen verlieren, werden sie den Krieg fortsetzen. Dann holt die Uno unsere Armee zurück, um die Lage zu stabilisieren« - Kotzes Freund, der Brigadier V., höchster Nachrichtenoffizier der Truppe, kämpft in Gedanken weiter.

Auch Kotze hofft, sagt er, »daß die Mehrheit der Ovambo gegen die Swapo stimmt«. Er redet sich ein, die pädagogischen Aktionen seines Bataillons hätten das Volk bekehrt. Er macht sich vor, er und die Armee hätten die Zivilisation gegen den Kommunismus verteidigt: Die Freiheitskämpfer von 101, 2800 Soldaten, das größte Bataillon Namibias, 98 Prozent sind Ovambo, lauter Freiwillige, alles gewöhnliche Bürger.

Im Leben der Ovambo war Bataillon 101 eine Bande von 2800 Teufeln. Seit 1978 hat das Bataillon 101 genau 78 Männer verloren, zehn pro Jahr, »für jeden von ihnen haben wir 20 Swapo getötet«. Der Krieg war »eine schöne, befriedigende Aufgabe«, sagt der Oberst, er ist schmächtig und blond und liebt seinen Beruf.

Mit großen blauen Augen verdammt er einige Fehltritte seiner Soldaten: »Nie hätten wir die Mohangofelder der Bauern zerstören dürfen, von Negerhirse müssen sie schließlich leben.« Schwererer Untaten erinnert er sich nicht. »Nie haben wir Zivilisten angegriffen!« Sein Gewissen ist rein.

Und doch hat ihn sein schlechter Ruf endlich eingeholt: »Unser Bataillon und die Koevoet, Anti-Guerilla-Polizisten - wir waren die ärgsten Feinde der Swapo.« Er zieht an seiner Pfeife und gesteht: »Vieles wäre besser nicht geschehen.« Koevoet, gesprochen Kufut, afrikaans für Kuhfuß gleich Brechstange: In der Sprache der Ovambo hieß Koevoet Terror, Folter und blutiges Verrecken. Das Entsetzen vor Koevoet lähmte allen Widerstandsgeist. In der Hölle der frommen Ovambo herrschten Kotze, Koevoet und Konsorten.

Nun übt Oberst Kotze den Frieden. Vor den 101-Baracken im flohreichen Ondangwa schwatzen weiße Hausfrauen die Zeit tot. Gleich fängt die Versteigerung des Bataillon-Inventars an, sämtliche Tischfahnen und Stühle, Teppiche und Vorhänge, Klo- und Waschbecken werden demobilisiert. Danach rüsten auch Kotze und seine Soldaten ab, vom Kriegsschauplatz im Norden Namibias ziehen sie sich auf ewig zurück.

Waffenlos treten sie am 1. Mai einen sechsmonatigen bezahlten Urlaub an, 12 000 Mann, die gesamte namibische Territorialstreitmacht, gehen auf einen Schlag in die Ferien. Südafrikas Bataillone dagegen kehren etappenweise heim, bis nur noch 1500 von 40 000 Soldaten übrigbleiben, die werden sich in den Baracken von Oshivelo und Grootfontein einigeln.

»Am 1. November wählt Namibia zwischen Demokratie und Kommunismus«, sagt der Oberst. In Wahrheit wählt das Volk eine verfassunggebende Versammlung; die erste seiner Geschichte.

Je länger er von der unordentlichen Zukunft redet, desto bedenklicher wird die Aussicht auf sie: »Sollte die Swapo gewinnen, wird sie als nächstes Ziel Südafrika ins Visier nehmen.« Geht seine Welt unter, zieht eine neue herauf, schon bereitet er sich darauf vor. Hat die Swapo sich von »allen kommunistischen Einflüssen gereinigt, Kubaner aus Angola und burenfeindliche Guerrilleros davongejagt«, will Kotze ihr seine Dienste anbieten - »wenn sie mich nehmen und gebrauchen können«.

Ob Kotzes solide Vernichtungskunst in Namibia noch einmal benötigt wird, hängt von der Vergeßlichkeit der Ovambo ab: Und die ist ihrem Haß nicht gewachsen. Sie werden sich bis zum Jüngsten Tag von ihm und seinesgleichen bedroht fühlen. Denn die gemeinsame Vergebt-und-vergeßt-Aktion von Armee und Koevoet schlug fehl.

Woche für Woche waren im neuen Jahr die Schinder des Ovambolandes durch die Dörfer gezogen, nur mit ihrem Lächeln bewaffnet. »Wir werden euch nie mehr mißhandeln«, versprachen sie den Bauern. »Nie mehr zerstören wir eure Felder und Hütten. Nie mehr vergewaltigen wir eure Frauen. Es war alles nicht so gemeint. Die Swapo wird euch noch viel Schlimmeres antun!«

Die Mörder als Wohltäter: Sie verteilten Medikamente und Getreide und hörten nicht auf zu lächeln. »Wir sind gut. Keiner ist so gut wie wir!« sagten sie. Die Bauern in den weiten grünen Ebenen des nördlichen Namibia lauschten ihnen verwirrt: Der Terror hatte ihnen alle Hoffnung geraubt, alle Zuversicht in die eigene Kraft.

O., der aus Furcht vor der Koevoet den Fremden nur nachts treffen will, im Hinterzimmer des portugiesischen Restaurants Pelican in Oshakati, O., der seinen Namen verheimlichen muß, strengt sich im »Komitee für Gerechtigkeit und Frieden« an, die Ovambo von der Krankheit Südafrika zu heilen: »Seit 1966 kämpft die Swapo für uns, und seit 1966 ist Swapo ein Schreckenswort. Wann immer Koevoet die Bauern nach Swapo-Spuren fragte, gab es Prügel. Ob sie schwiegen oder redeten, sie wurden geschlagen, ihre Hütten verbrannt. Die Bauern haben Angst - vor der Swapo. Swapo hat ihnen nur Unglück gebracht, das steckt tief in ihren Köpfen.«

3000 von 4500 Koevoet-Männern tragen inzwischen Polizeiuniform, unschuldiges gebügeltes Grün. Der Rest ist entlassen worden. 3000 Todfeinde treten plötzlich als Freunde auf. »Sie pauken den Dörfern ein, was die Wahlen bedeuten - die Entscheidung zwischen Gut und Böse. Erklären, was das ist - Kommunismus. Zeigen Videofilme aus dem kommunistischen Äthiopien: über kahle Felder taumelnde Skelette, verhungernde Kinder, röchelnde sterbende Frauen als Verheißung - so wird es euch auch ergehen, wenn ihr der Swapo nicht abschwört.«

Wird es der Ordnung der Gewalt gelingen, die Allerheiligen-Wahl zu entscheiden? Brigadier V., der allwissende Nachrichtenoffizier, sagt der Swapo ein Ende bei 30 Prozent der Stimmen voraus. Selbst mutige Swapo-Feinde sehen sie bei 50 Prozent scheitern. »Es wird schon alles gutgehen. Südafrika läßt uns nicht im Stich. Der Himmel ist mit uns« - so beten die Buren ein Wunder herbei.

O. kennt seine weißen Herren, seine Furcht hat ihre Hinterlist und Habgier studiert: »Sie sind durcheinander, auf einmal ist ihre Zukunft nicht mehr in den Händen Pretorias.« O. baut ein Netz aus Wahlkontrolleuren auf, die den Buren auf die Finger sehen, »sonst betrügen sie uns mit 1000 schmutzigen Tricks«.

Ist die Wahl fair und frei, »gewinnt Swapo mit 80 Prozent«, sagt O. »Doch die Uno-Soldaten sind blind. Sie sollen die Wähler beschützen und sprechen unsere Sprache nicht. Wir müssen unsere eigene Uno sein! Der Krieg ist gewonnen, die Wahl noch nicht.«

1000 schmutzige Tricks: »Sie wollen uns einschüchtern, einschüchtern, einschüchtern.« Wer sich als Swapo-Anhänger zu erkennen gibt - durch Hemden, T-Shirts oder Mützen in den Farben Blau-Rot-Grün -, dem werden mit Messern die Kleider vom Leib gefetzt, wie im März in Ondangwa mitten auf dem Markt. Dem werden die Beine zerschossen, wie in Omadangela am hellichten Tag. Der wird mit Gewehren bedroht und verprügelt, wie die Schüler der G. T. Senior Secondary School von Oshakati:

Mitte März gegen Mitternacht, sechs 101-Soldaten in Zivil schießen das Tor auf und feuern und schreien, bis die 600 Schüler in ihren Wohnheimen sich zur Wehr setzen. Sie werden der Swapo-Treue verdächtigt. Als eine Kompanie 101-Soldaten die Schule umringt und die Nacht von Gewehrfeuer erfüllt ist, greifen die Schüler an.

Und als die Belagerer den Rektor Josia Udjombela zwingen, ihnen zu folgen, zwingt der sie in die Polizeistation von Oshakati. »Die jungen Polizisten«, sagt Udjombela, 33, »nahmen sechs Soldaten fest. Sie wußten, was sie taten, sie halfen mir und sich selber, für Swapo-Zeiten.«

Vor ein paar Monaten noch wäre die Affäre tödlich ausgegangen: für den Rektor, den Konrektor und viele Schüler. Feige hätte die Polizei sich versteckt: Der Schüler Jeremiah, im Gesicht blutunterlaufene Abdrücke von Soldatenfäusten, spricht vom alltäglichen Krieg, als hätte er seinen eigenen Tod schon ein dutzendmal überlebt.

Im Schulhof feiern die 600 Schüler, Jungen und Mädchen zwischen 12 und 20, ihren Sieg über das Bataillon 101, alles wird sich nun ändern. Udjombela in seinem knisternden weißen Hemd lehrt sie Widerstand: »Wir lernten mehr über Südafrika als über unser eigenes Land. Wir wissen nicht mal, wer wir sind. Wir brauchen soziale und ökonomische Gerechtigkeit, und wenn nur der Sozialismus uns Freiheit bringen kann, soll er halt kommen.«

O. widerspricht, er fürchtet, der Sozialismus ist so schlimm wie die Apartheid. Aber Swapo hat ja versprochen: »Kein Sozialismus in Namibia.«

Weit hinter der breiten Teerstraße, beschirmt von hohen alten Bäumen, liegt das kleine Dorf von Thelma. Sie ist 38 und hat acht Kinder, ihr Mann ist mit dem Vieh unterwegs. Ihre Söhne und Töchter erstarren, als der weiße Besucher aus dem Staub auftaucht. Weiße, die sie anlächeln, waren ihnen unbekannt. Thelma sitzt an der Nähmaschine und schneidert sich ein Swapo-Kostüm.

Thelmas Englisch klingt steif, doch weigert sie sich, afrikaans zu sprechen. Jetzt, da die Ausgangssperre - von der Abend- bis zur Morgendämmerung - nach acht Jahren aufgehoben ist, fällt ihr auf, wagt sie sich zu erinnern, wie viele Nachbarn in den vergangenen abertausend Nächten verschwunden sind: »Nur die Armee kann sie verschleppt haben. Jeder andere wäre erschossen worden.« Thelmas Mann wurde zweimal mitgezerrt, sein Körper war von Brandwunden bedeckt, als er zurückgeschlichen kam; Folter und Elektroschocks.

Der 1. April ist der Tag der Freiheit: »Von nun an habe ich keine Angst mehr«, sagt Thelma. »Sie nennen uns Terroristen, aber sie selber üben Terror aus. Aller Terror stammt aus Südafrika und ist weiß. Wenn ein Weißer einen Schwarzen tötet, ist das Ordnung. Wenn wir uns rächen, ist es Gewalt.«

Barfüßig tritt Thelma ihre Nähmaschine, eine freundliche Frau mit eisernem Lächeln. Vergangene Nacht setzte ein Panzerwagen drei fremde Männer am Dorfrand ab, sie verschwanden in den Mohangofeldern. Die Hunde bellten bis zum Morgen. Was haben sie vor? Thelma ballt die Faust und ruft »Power!«, den Kriegsruf der Swapo.

In Namibia formieren sich die Kirchen als Avantgarde des Widerstands. Die Buren werfen Kommunisten und Priester in einen Topf und wüten: »Unser Unheil fing an, als die Kirche die Schwarzen schreiben und lesen lehrte.«

»Für die Kirche«, sagt Kleopas Dumeni, lutherischer Bischof in Namibia, »sind Furcht und Zittern, Tod und Folter das tägliche Brot.« Bei einem Bombenanschlag der Koevoet in einer Bank von Oshakati kam seine Tochter ums Leben, sie war 18. Auch daß Brüder auf ihre Väter schießen, habe Südafrika befohlen. Südafrika sei Krieg. Und trotzdem: Vergebung für alle. »Auch für Kotze.«

Dumeni, 59, vom Krieg härter geschmiedet, als es einem Bischof gebührt, bitter, zornig und mißtrauisch - außerhalb der Swapo gibt es kein Heil -, Dumeni traut nicht einmal den Uno-Truppen: Fremd im Land, ohne Kenntnis unserer Sorgen, ohne Neigung, sich für uns töten zu lassen, müssen sie, die als Swapo-Freunde gelten, jeden Tag beweisen, wie objektiv sie sind. »Der Kampf«, sagt Dumeni und steckt sein goldenes Bischofskreuz wieder in die Brusttasche zum Kugelschreiber, »der Kampf ist noch nicht gewonnen.«

Von einem dicken rotgesichtigen südafrikanischen Nachrichtenoffizier begleitet, erkunden in drei weißen Mercedes-Lastwagen australische Soldaten der 17. Construction Squadron aus Brisbane das Ovamboland.

300 Australier, denen besonders die Erforschung des lokalen Biers am Herzen liegt - »Lion's Lager ist das beste« -, werden nach dem 1. April an der Grenze Minen räumen, sieben Monate lang. Ehe sie eingreifen können, öffnet ihnen der burische Experte die Augen für die Ovambo: »Alles Kommunisten! 40 000 Menschen waren vom Militär abhängig, unser Abzug stürzt sie in finstere Armut.«

In Otjiwarongo ruft die Swapo an diesem trüben Sonntag zu einer Siegesdemonstration auf. Der südliche Herbst bricht mit Gewitter und Sturm über das Land herein. Auf halbem Weg, vor der Bergbaustadt Tsumeb, mahnt ein schwarzer Obelisk zur Besinnung. 1981 errichtet, gedenkt er exklusiv der »weißen Opfer des Terrorismus«, Afrikaans in Goldbuchstaben. Im Restaurant des Minenhotels schallt zum Hackbraten mit Salzkartoffeln das Deutschlandlied aus dem Lautsprecher.

Auf der Swapo-Demonstration sind die Schwarzen unter sich. In fünf Sprachen - Afrikaans, Herero, Nama, Oshivambo und Englisch - wird von fünf Rednern »One Namibia, one nation« beschworen.

Die englische Version hat nur ein winziges Publikum: den deutschen Besucher, einen südafrikanischen Photographen und die drei Mitglieder des U. S. Liaison Office; der bärtige CIA-Mann schleppt zwei Kameras mit sich herum, findet aber keine Motive. Während der dreistündigen Massenandacht fällt über Sozialismus kein einziges Wort.

Im nächsten Heft Der reichste Mann von Windhuk spricht Deutsch und braut Bier - Keine Angst vor einem Blutbad - Hilfe gesucht

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