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MODERNES LEBEN Kraftloser Rebensaft

aus DER SPIEGEL 36/1987

Mit fast alkoholfreien Weinen wollen die kalifornischen Winzer Barry Gnekow und Larry Leigon amerikanische Chablis- und Bordeaux-Liebhaber zum Umsteigen animieren. Während herkömmliche Rebensäfte einen Alkoholgehalt von 11 bis 14 Prozent aufweisen, enthalten die Weißen und Roten aus dem Ariel-Weingut in San Jose weniger als 0,5 Prozent Alkohol - etwa genauso viel wie frisch ausgepreßter Orangensaft. Im Gegensatz zu ähnlichen Leicht-Weinen, denen der Alkohol durch Erhitzen entzogen wird (worunter oft Geschmack und Aroma leiden), wird der Ariel-Wein durch eine Art umgekehrter Osmose gewonnen. Mit hohem Druck wird die Flüssigkeit durch eine poröse Zylindermembrane gepreßt. Dabei scheiden sich die Moleküle von Wasser und Alkohol ab und lassen lediglich ein sirupähnliches Weinkonzentrat zurück; später wird wieder Wasser hinzugefügt - fertig ist der Ultra-Leicht-Wein. Geschmacks-Testern in Los Angeles gefiel das Gebräu so gut, daß sie es noch vor weit teureren Chardonnays mit einer Goldmedaille auszeichneten. Sie hatten gar nicht bemerkt, daß dem Wein fast aller Alkohol fehlte.

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