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Briefe

KREUZSTICH
aus DER SPIEGEL 19/1961

KREUZSTICH

Um es vorweg zu sagen: Die klerikale Einflußnahme auf die Personalpolitik von Nordrhein-Westfalen (von anderen Bundesländern ganz abgesehen) ist ebenso entschieden abzulehnen wie ihr historisches Gegenstück, die hohenzollernsche Personalpolitik protestantischer Prägung. Wenn das »Sonntagsblatt« allerdings erst heute zu der Feststellung kommt, daß der konfessionelle Friede gefährdet sei, dann kann man nur ein Lied der evangelischen Kirche in Erinnerung rufen: »Wach auf, wach auf, du deutsches Land, du hast genug geschlafen.

Rheinhausen

P. GLÜCKS

Bravo, Herr Seeberg! Endlich einmal ein Mann, der den Mut hat, die wahren Hintermänner der »Union« bloßzustellen. Wann erkennen auch die Herren Gerstenmaier, Erhard, Schröder und von Hassel, für welche Macht sie ihren Namen hergeben?

Aachen

UWE WOLTER

In einem Bistumsblatt war vor einiger Zeit zu lesen, daß »es eine furchtbare Sache ist, evangelisch zu sein...«. Wir aber ertragen wie Opferlämmer einen evangelischen Innenminister Schröder, der den Machtansprüchen der römischen Kirche dient, indem er sich schützend vor die Katholisierung in unseren Landen stellt.

Viersen (Rheinland)

HANS GASTA

Die CDU ist eine katholische Partei mit evangelischem Gespann!

Freiburg

ALFRED SCHÖNING

Wann endlich, so frage ich mich, wird denn nun auch dem eingefleischtesten protestantischen Christen klar, daß er diese katholische Partei, deren einziges Ziel doch in der christlichen Wiedervereinigung unter römischer Führung zu suchen ist, nicht länger wählen darf? Oder nehmen wir Protestanten es mit unserem Glauben so wenig ernst?

München

GREGOR GROSCHENBÜGEL

... schwerer Verstoß gegen das Grundgesetz, wonach keiner seines Glaubens wegen benachteiligt werden darf. Ein freireligiöser Bewerber hätte also nicht die geringste Aussicht, einen gehobenen Beamtenposten zu erhalten, und sei er auch noch so fähig. Zustände sind das!

Burghausen (Salzach)

V. SDROWOK

Das konfessionelle Unbehagen ist nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern auch in Südbaden anzutreffen. Darum freut es mich, daß endlich von der evangelischen Kirche ein Wort zur Not vieler Protestanten gesagt wird. Die »gleichberechtigte Partnerschaft«, wie sie das Grundgesetz vorschreibt, ist von katholischen Aktivistengruppen in allen Behörden längst unterminiert worden. Etliche Beamte sind aus diesem Grunde zur katholischen Kirche übergetreten und wurden daraufhin prompt vom Inspektor zum Oberinspektor befördert.

Weil (Rhein)

RUDOLF SCHARF

Die öffentliche Warnung des Lilje-Blattes kommt nicht von ungefähr. Denn der lutherische Herrscher von Nordpreußen ist auf derlei Dinge geeicht, seit sein eigenes »Bistum« von katholischer Seite zum Missionsgebiet erklärt wurde. Aber Spaß beiseite, der neue Kulturkampf hat seine Hintergründe. Es geht dabei letztlich um ein römisch-katholisches Prinzip: Der Staat ist als Werkzeug der »einen« Kirche verpflichtet, deren Macht auszubreiten. Dieses Ziel wird dem Normalverbraucher als »christliches«, von Gott gebotenes Recht dargestellt. Die römische Kirche beansprucht daher grundsätzlich Vorrang vor allen anderen Gruppen, ja, sie ist beleidigt, wenn sie nur als Gruppe geachtet wird. Viele Protestanten fallen auf solch christliche Politik herein.

Wer es wagt, der biblischen Botschaft gemäß, die Kirche vor der Versuchung zu warnen, sich auf Macht zu stützen, wer die staatlichen Krücken um der Glaubwürdigkeit der kirchlichen Verkündigung willen in Frage stellt, der wird bestenfalls als armer, irrender protestantischer Stiefbruder bemitleidet, meist jedoch als Kirchenfeind verketzert.

Opladen (Rheinland)

ERNST GINSBERG

Evangelischer

Religionslehrer

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