Zur Ausgabe
Artikel 6 / 78

Krieg als »große Sünde«

aus DER SPIEGEL 22/1979

Als »einfacher Bauer« habe er nicht gewußt, daß auch Vietnam ein sozialistisches Land sei. Seine Vorgesetzten, so der chinesische Soldat Vang Siken, hätten ihm gesagt, daß »Vietnam in China eingebrochen ist«. Der Artillerie-Unteroffizier ist einer von vier chinesischen Kriegsgefangenen, die in der Wochenzeitung »Magyar Ifjúság« vorgestellt wurden. Ungarische Journalisten hatten als erste Europäer die Erlaubnis erhalten, cm vietnamesisches Kriegsgefangenenlager zu photographieren und mit Häftlingen »Einzelgespräche« zu führen. Der Kriegsgefangene Hai Hei, 19, gibt »reicher Mittelbauer« als Beruf an. Begründung: »Ich konnte mich täglich satt essen.« Er war in der Kulturrevolution Rotgardist und rechnet nach seiner Heimkehr mit Verfolgung und Repressalien, weil er »als Gefangener die Wahrheit sagt«.

Infanterist Teng Vei, 25, gehört zur Minderheit der Thai-Völker, die auf beiden Seiten der chinesisch-vietnamesischen Grenze leben, desertierte »aus Angst« und hielt sich fünf Tage im Urwald versteckt, bevor ihn eine Streife aufgriff. Er ist -- angeblich ohne seine Zustimmung -- 1978 Mitglied der KP Chinas geworden und empfindet die Kriegsteilnahme als »große Sünde«. Als einzigen »blind ergebenen Maoisten« unter den Gefangenen schildert die Zeitschrift den Panzerfahrer Ceng Hai-si, 22. Der Mao-Verehrer gibt als Kriegsgrund die vietnamesiche »Aggression gegen Laos und Kambodscha« an. Außer China kennt er Korea, Jugoslawien, Rumänien als sozialistische Länder, »Albanien nicht mehr, weil es sich gegen unsere Partei stellte«. Ceng zur Kriegsschuldfrage:.. »Mao lehrt: Wenn du mich nicht schlägst, schlage ich dich auch nicht.«

Zur Ausgabe
Artikel 6 / 78
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.