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Krieg und Frieden

aus DER SPIEGEL 42/1994

HA Schult, 55, Happeningkünstler aus Köln, kann nach vierjähriger Vorbereitung eine dem Frieden gewidmete Aktion in der russischen Metropole St. Petersburg inszenieren. Auf dem Schloßplatz der von den Deutschen im Zweiten Weltkrieg jahrelang belagerten und ausgehungerten Stadt werden am 28. Oktober Schlag Mitternacht zwei Panzer die Worte »Der Krieg« auseinanderreißen. Die zwischen sechs und acht Meter hohen Buchstaben sind mit Leuchtketten aneinandergeknüpft. Das von der russischen Armee angemietete Kriegsgerät wird nach dem Prinzip von Gut und Böse angemalt sein, ein Panzer ist weiß, der andere schwarz marmoriert. »Krieg und Frieden«, so der von Tolstoi entlehnte Titel der Kunstaktion, wird von der Telekom in Rußland, Deutschland und den USA per Satellit übertragen, angeblich völlig kostenlos. »Mit dem Zerreißen des deutschen Wortes DER KRIEG auf historischem russischen Boden«, so begründet Schult sein Tun, »wird weltweit, in der Sprache der Kunst, zu neuem Denken in Wirtschaft, Kultur und Politik aufgerufen.«

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