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Kriegsspiele

aus DER SPIEGEL 33/1981

Zum ersten Mal seit 1936 übten deutsche Seeleute und die brasilianische Kriegsmarine gemeinsam in brasilianischen Gewässern den Ernstfall: Vom 29. Mai bis zum 7. Juni hielten der deutsche Zerstörer »Hamburg«, die Fregatte »Lübeck« und das Versorgungsschiff »Glücksburg« gemeinsam mit den brasilianischen Schiffen »Defensora«, »Alagoas« und »Rio Grande do Norte« vor der brasilianischen Küste Manöver ab -- ganz so, freute sich der brasilianische Kapitän zur See Milton Marciano, »als ob wir eine einzige Streitmacht bildeten«. Geübt wurde die U-Boot- und Flug-Abwehr, Gefechtsschießen, Kommunikation und taktische Manöver wie etwa Versorgung auf hoher See. Die Übungen waren laut der in Fortaleza, einem der angelaufenen Häfen im Nordosten Brasiliens, erscheinenden Tageszeitung »O Povo« so realistisch, daß beim simulierten Angriff ein brasilianisches Marineflugzeug ins Meer stürzte und der Pilot ums Leben kam. Nach der Zusammenarbeit zwischen der Bundesmarine und der Kriegsmarine des lateinamerikanischen Militärregimes befragt, erklärte das Bundesverteidigungsministerium, es habe sich nicht um ein gemeinsames Manöver, sondern lediglich um eine »gemeinsame Ausbildung« gehandelt -- und die sei »nichts ungewöhnliches« bei Staaten, »zu denen normale diplomatische Beziehungen existieren«.

S.16Ausriß aus der brasilianischen Zeitung »O Povo«.*

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