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Verbrechen Kripo im Museum

aus DER SPIEGEL 2/1995

Die Mannheimer Kriminalpolizei hat einen Fall aus dem vorigen Jahrhundert aufgeklärt: den Mord an dem Theaterautor August von Kotzebue im Jahre 1819. Als Täter überführte der Kriminaldirektor und Hobby-Historiker Manfred Leopold, 54, den bereits dringend verdächtigen und damals hingerichteten Studenten Carl Ludwig Sand. Leopold räumte jetzt letzte Zweifel an der Echtheit der Tatwaffe, einem Dolch mit 10,7-Zentimeter-Klinge, sowie an Sands möglicherweise erzwungenem Geständnis aus. Der Mord an dem reaktionären Dichter Kotzebue hatte damals die Unterdrückung der aufkeimenden bürgerlich-republikanischen Bewegung und eine strenge Pressezensur zur Folge ("Karlsbader Beschlüsse"). Die Untersuchungsergebnisse der Kripo nebst Tat-Zeugnissen werden jetzt im Mannheimer Reiß-Museum ausgestellt. »Weiterer Ermittlungen« bedarf laut Polizeibericht die Frage, ob der Mörder »möglicherweise Mittäter« hatte. Der Anstiftung verdächtig ist der als »Turnvater« bekannte Friedrich Ludwig Jahn, der in aufrührerischen Kreisen verkehrte.

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