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Kristina

aus DER SPIEGEL 49/2002

Kristina , 21, Insassin des Frauengefängnisses in der litauischen Stadt Panevezys, gewann dieser Tage die »Miss Captivity«-Wahlen. Ein privater Sender, die LNK TV, hatte sich ausgemalt, ein Schönheitswettbewerb zur »Miss Gefangenschaft« in der Haftanstalt könnte der Quote gut tun. Tatsächlich bestaunten zwei Drittel aller litauischen Zuschauer das Spektakel mit den jungen Frauen, keine naiven Mädchen, sondern Diebinnen und Mörderinnen. Trotz Bedenken hatte die Gefängnisleitung die Erlaubnis zu dem Glamour-Event gegeben. Von den 360 Häftlingen nahmen 39 an dem Wettbewerb teil. Als die letzten 8 zur Endausscheidung ausgewählt wurden, »befürchteten wir heftige Aggressionen«, sagt der Gefängnispsychologe. Doch alles ging gut, ja das ganze Verhalten der Frauen hatte sich geändert: »Es war, als hätten sie begriffen, dass es nicht einfach nur um Schönheit ging.« Um was aber dann? Kristina, deren Nachname ebenso geheim gehalten wurde wie der aller anderen Teilnehmerinnen, versuchte, es auf den Punkt zu bringen: »Dass wir die Chance erhielten, uns als Frauen wahrzunehmen.«

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