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Briefe

Kürze mit Würze
aus DER SPIEGEL 5/1979

Kürze mit Würze

Mit der neuen SPIEGEL-Titelschlagzeile ("Kohl kaputt") ist zweifellos ein neuer Meilenstein in der Fortentwicklung deutscher Journalistensprache gesetzt. Nachdem sich der Hamburger Nachrichtenslang inzwischen bis in die Lokaispalten der Provinz-Gazetten ausgebreitet hat, kann es nicht lange dauern, bis auch im Hinterland frischer Wind den alten Überschriften-Mief hinwegfegt. Begeistert werden landauf, landab die über schmalen Spalten und breiten Lettern brütenden Redakteure die neue Headline-Diktion aufgreifen; eine einprägsame, einfache Grammatik, die bislang der teutonischen Konversation mit Kindern und Ausländern vorbehalten schien, wird nun auch den Schlagzeilen bundesdeutscher Neuigkeiten-Blätter Kürze, wiewohl Würze bescheren. Zu welch ungeahnten Höhen vermag sich der neue (alte?) Code im journalistischen Alltagsgrau emporzuschwingen:

Kohl kaputt!

Strauß Ätsch!

Schmidt Gut gut!

Genscher Auch haben!

Jusos Bosse böse!

Wehner Grummelgrummel!

Honecker Pfui!

Carter China lieb!

Hua Caltel plima!

Wiesbaden ERNST DUPRÈ Redakteur

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