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Briefe

KULTURSCHANDE
aus DER SPIEGEL 13/1966

KULTURSCHANDE

Als langjähriger Leser fühle ich mich jedesmal schockiert, wenn beim Durchblättern einer neuen Nummer mein Blick auf das beifolgende Werbebild für den Cognac Otard fällt (Bild links). Wie kann ein seriöses Unternehmen in einem so kultivierten Lande wie Frankreich das Sakrileg begehen, eine Cognac -Flasche ohne Untersatz auf ein offenbar wertvolles altes Buch mit prächtigem Ledereinband zu setzen, und schlimmer noch, das gefüllte Cognac-Glas in ein aufgeschlagenes altes Buch zu stellen! Haben diese Leutchen denn gar keinen Sinn für die Erhaltung und Pflege kostbarer alter Bücher, oder bilden sie sich ein, diese nähmen etwa herabfließende Tropfen - vom Umstoßen ganz zu schweigen - mit dem gleichen Behagen auf, wie es wohl von den Käufern dieser Marke erwartet wird?

Natürlich können Sie die Firma nicht zwingen, diese unpassende Reklame zu ändern. Aber es könnte vielleicht nicht schaden, sie in geeigneter Form darauf hinzuweisen, daß sicher viele Leser, die aus Beruf oder Liebhaberei Respekt vor alten Büchern haben, gleich mir von dieser Art Werbung nur abgestoßen werden und sich allenfalls für ihren Ärger an einem Cognac der Konkurrenz erholen, etwa der Marke Scharlachberg, wo man nach Ausweis der anderen Werbungsanzeige (Bild rechts) wirklich Hochachtung vor alten Büchern und ihren Einbänden hat.

Hannover PROF. DR. GEORG SCHNATH

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