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SCHMALFILME Kummer in Kassetten

aus DER SPIEGEL 37/1966

Schlagersängerin Heidi Brühl kritzelte für Kodak. Mit Star-Autogrammen versuchte der US-Photokonzern Wind für ein Star-Produkt zu machen: Die vor zehn Monaten mit massiver Werbung eingeführten Super-8 -Filmkameras haben Absatz-Flaute.

Dem neuen Schmalfilmsystem Super-B war ein ähnlicher Blitzerfolg vorausgesagt worden, wie ihn Kodak vor drei Jahren mit dem Photoapparat Instamatic erzielt hatte. Ein »Wirbelsturm« werde »Gewohntes hinwegfegen«, hatte das Fachblatt »Der Fotohändler« prophezeit.

Kodaks Super-8 macht das Filmen einfacher. Beim alten System, genannt Doppel-8, muß ein 16 Millimeter breiter Filmstreifen umständlich eingefädelt und zur Belichtung der zweiten Hälfte umgedreht werden; dabei verdirbt meist ein Teil des Films durch Lichteinfall. Bei Super-8 wird der Film in einer Kassette fertig zum Einlegen geliefert; er braucht nicht umgedreht zu werden (SPIEGEL 42/1965).

Kodak verteilte freigebig Lizenzen. Auch der deutsch-belgische Agfa-Gevaert-Konzern übernahm das System. Ziel der Super-8-Strategie: Bei den Nicht-Filmern sollte ein neuer Markt erschlossen werden. Nur jeder vierzigste westdeutsche Haushalt besitzt eine Filmkamera.

Die Welle begann auch zu laufen, nur in der falschen Richtung. Kaufinteressenten, ursprünglich durch Super-8-Werbung in die Läden gelockt, erwarben oft Kameras des alten Systems: Die Apparate sind billig geworden, da die Industrie in Erwartung des großen Super-B-Geschäfts die Preisbindung für herkömmliche Modelle aufgehoben hat.

Vor allem aber, sprach sich herum, daß der Kodak-Knüller teuer im Betrieb ist. Drei Farbfilmminuten mit Doppel-8 sind schon für etwas mehr als neun Mark zu haben, mit Super-8 dagegen kosten sie 21 Mark. Das liegt an den hohen Kosten der komplizierten Kassette, die überdies nur einmal verwendet wird.

Die Käufer sind allein auf den teuren und zudem wenig lichtempfindlichen Farbfilm angewiesen. Schwarz-Weiß -Film, der beim Doppel-8-System weniger als fünf Mark je drei Minuten Laufzeit kostet, gibt es für die neuen Kameras nicht. Die Filmhersteller, darunter Super-8-Promoter Kodak, argumentieren: Die Kassette sei so teuer, daß der Preisunterschied zwischen den beiden Filmarten beim Endpreis nicht ins Gewicht fallen würde. Dazu Versandhaus Quelle: »Das ist ein echter Mangel.« Und Kameraproduzent Braun (Marke Nizo): »Daran hängt das ganze System.«

Von dem Mangel profitiert die Fuji Photo Film. Co. Ltd., mit 11 000 Beschäftigten Japans größter Kamera- und Filmhersteller. Sie hat das gleiche technische Prinzip wie Super-8 eingeführt, aber dafür einen neuartigen Film entwickelt, der um ein Drittel dünner ist als herkömmliche Streifen. Die Einlegekassette für diesen Film kostet weniger als die von Kodak.

Bei Fujis System, das »Single-8« heißt, ist der Farbfilm zwei Mark billiger als bei Super-8. Anfang Oktober kommen auch Schwarz-Weiß-Filme heraus, die einschließlich Entwicklung nur etwa halb so teuer sein sollen wie der Super-8 -Farbfilm.

Für Deutschlands Agfa sind Fujis Erfolge besonders bitter. Agfa hatte, ehe es sich zum Bündnis mit dem marktmächtigen Kodak-Konzern entschloß, eine Option auf das Single-8 -System.

Werberin Heidi Brühl, Kodak-Kamera

»Gewohntes hinwegfegen«

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