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MODERNES LEBEN Kunstfälscher verunsichert Museen

aus DER SPIEGEL 36/1987

Sie waren der Stolz zahlreicher amerikanischer Museen - der Windgott Ehecatl, der Mann mit dem Lendenschurz und viele andere Objekte klassischer mittelamerikanischer Kunst. Sie wären es auch geblieben, hätte nur Senior Brigido Lara seinen Mund gehalten. Er habe, so bekannte jetzt der 47jährige Meister-Keramiker aus Mexiko, zwischen 1954 und 1974 Hunderte von Figuren gefertigt - geniale Fälschungen im sogenannten Veracruz-Stil der späten klassischen Periode (600 bis 900 nach Christus). Um seinen bis zu einem Meter großen Figuren die nötige Patina zu verleihen, tauchte Lara die Objekte in ein eigens gemixtes Gebräu aus Portland-Zement, Kalk, heißem Zuckerwasser und Urin; dann versiegelte er sie mit Lehm und Resistol 850, einem in Mexiko verbreiteten Klebstoff. Aufgeschreckt von den Bekenntnissen des Meisters, sind die Museen jetzt dabei, ihre Erwerbungen aus der »Lara-Periode« zu prüfen - was allerdings Jahre dauern wird, weil die dazu notwendigen Altersprüfungen äußerst aufwendig, zeitraubend und zudem ungenau sind. Ein jähes Ende hatte der Schaffensdrang des Keramikers gefunden, nachdem er 1974 zu einer (später aufgehobenen) Haftstrafe verurteilt worden war.

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