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WM-BEWERBUNG Kurzer Kanzler-Trip

aus DER SPIEGEL 25/1998

Eine halbe Stunde lang mußte DFB-Präsident Egidius Braun bei der Visite Helmut Kohls im deutschen WM-Quartier dem launigen Geplauder des Ehrengastes zuhören. Erst dann, auf Nachfrage des DFB-Pressesprechers, kam der Kanzler auf das gewünschte Thema: »Ganz nachdrücklich«, versicherte Kohl, werde er die deutsche Bewerbung für die WM 2006 unterstützen. Der Fußballfan, der sich am Tag seines 25jährigen Dienstjubiläums als Vorsitzender der Christdemokraten drei Stunden in Nizza und St.-Paul de Vence gönnte, will »entschieden um die Austragung der WM kämpfen«. Das Votum des Kanzlers tat dem DFB-Boß Braun erkennbar wohl: Nach der Wahl des Schweizers Joseph Blatter zum Präsidenten des Fußball-Weltverbandes steht es schlecht um die deutsche Bewerbung. Braun hatte Blatter vor der Wahl scharf kritisiert und den Schweden Lennart Johansson unterstützt.

Insgeheim hofft der DFB-Chef deshalb, daß sich die Gerüchte, wonach Blatter bei afrikanischen Verbänden Stimmen gekauft habe, erhärten. Derzeit versucht Issa Hayatou, Chef der Afrikanischen Fußball-Konföderation, jene Wahlmänner zum Reden zu bringen, die angeblich 50 000 Dollar bekommen haben sollen. Im Augenblick akzeptiere er die Wahl, sagt Braun, »aber wenn einer Beweise auf den Tisch legt, dann bin ich der erste, der sich auf die Matte stellt«.

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