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Kyprianos Papadapoulos

aus DER SPIEGEL 44/1965

Kyprianos Papadopoulos, 49, griechisch orthodoxer Erzbischof für Zentralafrika (Amtssitz: Bujumbura im Königreich Burundi), wurde in der vorletzten Woche von Anwohnern der Stuttgarter Alexanderstraße um 2.30 Uhr laut stöhnend und (aus Kopfwunden) blutend aufgefunden. Der Geistliche, der anläßlich eines von der Bundesregierung arrangierten Deutschland-Besuchs in Stuttgart Station gemacht hatte, gab der herbeigerufenen Polizei zu Protokoll, er sei von einem ihm unbekannten jungen Mann niedergeschlagen worden. Die Beamten ermittelten, daß der Erzbischof kurz vor zwei Uhr gemeinsam mit einem Jüngling eine Taxifahrt zu einem Kneipen-Viertel in der Stuttgarter Altstadt unternommen hatte und auf dem Nachtausflug nicht bestohlen worden war, obwohl er sehr viel Bargeld bei sich trug. Auf Fragen nach seinem Begleiter und dem Grund der Autofahrt schwieg der Seelsorger, der in der Vorwoche nach Amerika abreiste, beharrlich. Sein Deutschland-Führer Graf Gnevthos erklärte später, Seine Eminenz sei nicht überfallen worden, sondern im Dunkeln gestrauchelt. Der Stuttgarter Oberstaatsanwalt Günther Giesing über mögliche Tatmotive: »Konkrete Anhaltspunkte, die für einen homosexuellen Täter sprechen, liegen nicht vor.«

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