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USA Lächelnde, winkende Diva

Der Balkan brennt, die Weltwirtschaft trudelt, doch in Washington versinkt der US-Präsident immer tiefer im Strudel der Sex-Affäre um seine Ex-Praktikantin Monica Lewinsky. Am Donnerstag vergangener Woche entschied das Abgeordnetenhaus mit der Mehrheit der Republikaner und auch einen Teil der Demokraten, das Impeachmant-Verfahren zu eröffnen, mit dem Bill Clinton aus dem Amt entfernt werden könnte. Damit ist er nach Andrew Johnson vor 130 Jahren und Richard Nixon 1974 der dritte Regierungschef in der Geschichte der Vereinichten Staaten, gegen den diese politische Anklage in Gang kommt. Die Parlamentarier haben nicht nur dafür gesorgt, daß nun noch einmal all die Details des Skandals aufgerollt werden. Auch Uralt-Affären werden erneut in die Untersuchung einbezogen. Der Kampf ums Amt wird den Präsidenten so noch monatelang beschäftigen und vielleicht lähmen - es sei denn, die Republikaner verlieren bei den Wahlen am 3. November ihre knappe Mehrheit im Kongreß. Retten könnte Clinton seine unge- brochene Popularität - und die verdankt er jetzt vor allem seiner Frau Hillary. Sie tut alles, um ihrem untreuen Ehemann die Präsidentschaft zu erhalten. Amerika bewundert die First Lady wie nie zuvor und rätselt zugleich über ihre Motive: Was steckt hinter ihrer Großmut - Machtgier oder ungeheure Liebe?
aus DER SPIEGEL 42/1998
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